Von der Technik hielt er nichts. Die riesenhafte Entwicklung der technischen Welt, von der er sehr wohl zu wissen schien, und die er übrigens einen Anfang nannte, interessierte ihn nur insofern, als sie naturwissenschaftliche Entdeckungen betraf. Die sinnvolle Anwendung aber dieser Entdeckungen schätzte er nicht als einen Gewinn für die Menschheit ein. Er sagte darüber etwa: Was nütze es, daß man heute in fünf Tagen von Paris nach New York fahren könne. Der Konkurrent kann es gleichfalls. Es dient letzten Endes nur der Übervölkerung, auf welche soziologische Erscheinung er überhaupt schlecht zu sprechen war. Und was nütze es, daß man bei strahlendem Lichte sitze? Kant habe bei einer Öllampe geschrieben, Shakespeare, Rembrandt und Cervantes wohl gar bei einem Kienspan, und Homer sei vielleicht gleich ihm, dem Einsiedler, mit Beginn der Dunkelheit zu Bett gegangen.

Die Technik der Nachrichtenübermittlung, die seit seiner europäischen Jugendzeit gewaltige Fortschritte gemacht hatte, verachtete er tief, und erklärte sie für einen der schlimmsten Feinde der Menschheit.

Es gäbe für ihn, so führte er aus, außerhalb der philosophischen und naturwissenschaftlichen Erkenntnis nur ein einziges Gebiet, auf dem unser Zeitalter Fortschritte gemacht habe: die Gesundheitslehre. Und auch hier wäre nur ein Anfang.

Alles dies äußerte er aber keineswegs mit Anmaßung, sondern in Form und Inhalt bescheiden, und lediglich als Resultat seines Denkens.

Als das Gespräch einmal auf das Gebiet psychologischer Forschungen kam, lenkte er merkwürdig schnell ab. Ebenso vor kosmischen und astronomischen Fragen, für die der Gast als Seemann eine besondere Vorliebe hegte. Auffallend war dabei der Umstand, daß gerade auf diesen drei Gebieten eine besonders große Zahl von Büchern, und zwar ausschließlich gut und mit Sachkenntnis ausgewählte, vorhanden war.

Als der Gast sich nach reichem Tage am Abend verabschieden wollte, erklärte der Wirt, ihn bis zum Talausgang begleiten zu wollen. Es sei schwer, in der Dunkelheit den Weg zu finden.

So schritten die beiden noch stundenlang in die sinkende Nacht hinein. Obwohl dabei des schmalen beschwerlichen Pfades und der zahlreichen lärmenden Wasserfälle und Stromschnellen wegen nur wenig gesprochen wurde, so schien es dem Kapitän doch, als ob gerade die zweisame stumme Wanderung nach dem im geistigen Austausche verbrachten Tage das Hin- und Herfließen des sympathisierenden Fluidums zwischen ihm und seinem neuen sonderbaren Freunde merkbar verstärke.


Der Kapitän besuchte von nun an im Verlaufe seiner westindischen Kreuzfahrten, während derer die Umstände ihn noch mehrere Male veranlaßten, den Hafen von Porto Cabello anzulaufen, den Santo Desnudo, sooft er konnte.

Diese Besuche gehörten zu den schönsten Freuden seiner mittelamerikanischen Lebensepoche. Es bildete sich ein Verhältnis zwischen den ungleichen Männern heraus, dem das Kriterium wirklicher Freundschaft innewohnte, insofern als jeder der beiden Beteiligten im Geben und Empfangen gleich innige Freude empfand.