Darum schreibe ich in der Stille meiner Abende diese Blätter, deren Inhalt doch nicht mehr sein kann, als ein armseliger Faden durch den Reichtum des wundersamen Labyrinthes meines Erlebens.
Mein Bericht nennt nie gehörte Geschehnisse. Wer aber an seiner Wahrheit zweifeln sollte, den frage ich gleich Pilatus: Was ist Wahrheit?
Du armer, winziger Mensch, du dürftiges Glied einer kleinen Menschheit, die in den Jahrmillionen des Erdenlebens für wenige hundert Jahrtausende haften darf an diesem eifrig kreisenden und in all seiner Wichtigtuerei nichts bedeutenden Mitläufer einer jener Sonnen, denen das Weltall ist wie den Tropfen der Ozean, du weniger als mikrokosmisches Wesen, wie darfst du dich ermessen zu fragen, was Wahrheit sei!
Alle Erkenntnis ist dir nur eine Vorstellung. Aus Vorstellungen baust du das Kartenhaus deines Wissens. Vorgestellt vor die Wahrheit, gleich einem bemalten Wandschirme, bleibt stets das Bild, wie es allein deinen beschränkten Erkenntnisorganen zu erscheinen vermag. Nur das Bild auf dem Wandschirme siehst du.
Ereifere dich darum nicht zu sehr. Beschaue das Bild. Irgend etwas daran ähnelt immer der Wahrheit, die für alle Ewigkeit dahinter verborgen bleibt.
Ich entsinne mich deutlich, schon in meiner frühesten Jugend einen angeborenen Respekt vor dem Willen des Menschen empfunden zu haben.
Als der bedeutendste und jedenfalls wesentlichste Mensch erschien mir mein Vater, und ich glaubte fest, daß alles geschehen könne, was er wolle. Er brauche nur zu wollen, dann gäbe es keine Hindernisse. In der Tat hatte ich oft genug Gelegenheit, festzustellen, daß von seinem Willen das ganze Erdenrund meiner Kinderwelt beherrscht wurde.
Meine Mutter nannte mich eigensinnig. Heute weiß ich, daß dieser Eigensinn nichts anderes gewesen ist, als embryonale Willenskraft. Ich wage es heute allen Müttern zu raten, sich des Eigensinns ihrer Buben zu freuen. Die Güte des Himmels, die ja dafür sorgt, daß immer nur wenigen Auserwählten ein Besonderes beschieden sei, wird diese Buben vor solch’ ungewöhnlichen Folgen der Willenskraft bewahren, wie sie mir zuteil geworden sind.
Später, nachdem ich meine Studien beendet und die Nase in die Welt gesteckt hatte, ward ich mir mehr und mehr der Bedeutung der Willenskraft bewußt. Ich begann mich, auch außer meiner selbst, mit ihr planmäßig wissenschaftlich zu beschäftigen.