Ja, es gelang mir sogar, mich selber, der ich im Garten lag, so hoch zum Schweben zu bringen, daß meine Hände die Äste einer Linde erreichen konnten. Die Schwerkraft bot mir keine Hindernisse mehr. Mein Wille hatte sie überwunden!
Ich hielt diese Versuche und Beobachtungen streng geheim vor jedermann, und zwar einmal, weil ich fürchtete, daß mich fürs erste das Mitwissen anderer noch an der nötigen Willenszusammenfassung hindern würde, ferner aber auch des Entschlusses halber, erst dann damit hervorzutreten, wenn ich die Elemente meiner Entdeckungen wissenschaftlich ergründet haben würde und, gegen jeden Zweifel gewaffnet, fest in der Hand hielte. –
Ich muß gestehen, daß mich die Jahre dieser geheimen Tätigkeit nicht glücklich gemacht haben, wenn ich auch, meinem Ehrgeize nachgebend, hohe Hoffnungen auf die Zukunft setzte. Meine Nervenverfassung litt ungemein unter den häufigen Willensüberanstrengungen. Trotzdem ich mich des Besitzes außergewöhnlicher Körperkräfte erfreute, ward ich krank, ohne allerdings meine Umgebung dies wissen zu lassen.
Da in gleichem Schritte mit der Überanstrengung der Nerven auch die Forderungen meiner Sinne wuchsen, so fand ich mich oft dazu verführt, mittels der mir innewohnenden merkwürdigen Kraft auf Frauen zu wirken um sie für mich zu gewinnen.
Dieser letzte Umstand trug mir zwar manche vorübergehend glückliche Stunde ein, aber auch eine Fülle von Unbequemlichkeiten und ernsten Verlegenheiten, zumal wenn ich, was sich einige Male einstellte, seelisch beteiligt war.
In solchem Falle ward mir meine geheime Kraft zum Ekel. Mein Mannesstolz mußte erwarten, daß ich um meiner selbst willen geliebt wurde, das Bewußtsein aber, daß vielleicht nur mein eigener Wille die geliebte Frau in meine Arme führte, fraß als böser, giftiger Zweifel in mir und vergällte mir das wenige Glück, dessen ich genießen durfte.
Zwar glaube ich heute, daß einige Frauen mich redlich liebten, aber gerade die eine – Erna Maria – der meine heiße Leidenschaftlichkeit sich zuwandte, entzog sich mir kühl, als ich – um die Echtheit ihrer Gefühle auf die Probe zu stellen – einmal nur einige Stunden lang meine geheime Kraft ihr gegenüber unterdrückte.
Tief enttäuscht, körperlich und seelisch elender denn je, floh ich hinauf in die hohen Berge, zu einem alten Freunde, dem Förster.
Er wohnt im Tal. Aber hoch oben, an der Grenze der Vegetation, steht seine Diensthütte, mit Herd und Bett leidlich behaglich hergerichtet. Neben der Hauswand gurgelt aus einer Röhre ein kleiner Brunnen.
Eines Morgens stieg ich dort hinauf, wo nur Gemsen meine Nachbarn wurden, und gelegentlich ein neugieriger Hirsch mein Besucher. –