Die seltsame Schönheit des Augenblicks ergriff mich tief. Ich kniete neben dem Weibe und nahm seine Hände in die meinen. Da hob es den Kopf, und es war schöner, als ich je ein Weib gesehen hatte.
Wie ich aber fühlte, daß sein Blick an mir emporglitt, sah ich, daß ich nackt war, und ich schämte mich.
Ich wandte mich ab, gab die Hände meiner Gefangenen frei und trat aufstehend hinter ihren Rücken, eine Möglichkeit suchend, mich zu verbergen.
Aber auch sie erhob sich, wandte sich zu mir und sah wortlos lange und tief in meine Augen.
Die ihrigen waren blau und dunkel zugleich, und mich deuchte, es gäbe nichts Köstlicheres auf der Welt als diese Augen.
Ich fühlte körperlich, wie ihr Blick fragend in mein Inneres drang, und empfand einen starken unbequemen Zwang.
Die tiefe Ruhe des Weibes, das dringende, wortlose Fragen und die peinliche Hilflosigkeit meiner Lage irritierten mich ungemein, und in einem aufkommenden Gefühl von Trotz stellte ich meine oft erprobte Suggestivkraft auf die Fremde ein.
Die Wirkung erhöhte meine Verlegenheit nur: Eine Weile hielt sie, meinem Blicke begegnend, stand, dann aber begann sie hell und fröhlich zu lachen und schüttelte mit einer bestimmten Gebärde nachdrücklich den Kopf.
Ich hatte keine Macht über sie. Da sie sah, daß ich hilflos und, ein zweiter Odysseus, mich körperlich schämend, abgewendet vor ihr stand, entledigte sie sich eines leichten Obergewandes, gab es mir lächelnd und half mir mit ruhigen Händen und ohne Scheu es um meine Hüften zu befestigen.
Welch ein hohes Maß von innerer Sicherheit muß dies Weib haben, dachte ich, und schickte mich an, woran mich die süße Fremdartigkeit der Lage bisher gehindert hatte, mit einigen gestammelten Worten um Vergebung zu bitten und zu fragen, was ich beginnen solle.