Das junge Weib sah mir einen Augenblick merkwürdig erschrocken in die Augen, wieder mit jenem tiefen, durchdringenden Blicke, dann legte sie ihre Fingerspitzen auf meine Lippen und deutete auf das weiße Häuschen. Schweigend schritten wir nebeneinander den sanften Abhang hinauf.
Ich wagte nicht, den Kopf zu heben, so sehr verschüchterte mich die Verlegenheit meiner Lage. Ich sah die Gräser und Blumen der Wiese im Morgentau, von meiner Begleiterin aber sah ich nur die Füße. Sie waren bloß, gleich den meinen, und so schön, als habe Praxiteles sie geformt.
Wir traten in das Häuschen ein.
Das untere Stockwerk enthielt nur einen einzigen Raum. Weiche Bastmatten bedeckten den Boden, einige niedere Ruhebetten, gleichfalls mit Bastmatten überzogen, standen an den Wänden. Nur weniges Gerät sah ich. Es erschien mir fremdartig, aber jedes einzelne war edel in der Form und offenbar von gutem Material.
Meine Gastfreundin führte mich durch den Raum. Im Hintergrunde ging eine kleine Treppe in die Höhe. Wir stiegen hinauf, wo im oberen Stockwerk einige nur mit hellen Vorhängen verschlossene Türen auf einen gemeinsamen Vorraum führten.
Sie schob den Vorhang einer der Türen beiseite und lud mich mit einer Handbewegung zum Eintreten, und mit einer anderen zum Platznehmen auf einem sauberen Bette ein.
Dann holte sie von anderer Stelle eine große wollene Decke, eine Schüssel mit köstlich ausschauenden fremdartigen Früchten, einen Teller mit feinem weißen Brot und ein Glas mit Honig. Endlich trug sie eine hohe kristallene Karaffe goldfarbigen Weines und ein schön geschliffenes Glas herein.
Das kleine Mahl richtete sie auf einem neben dem Bette stehenden niederen Tische her.
Ich saß währenddessen regungslos und sah ergriffen der Anmut ihrer Hantierungen zu. In heiterer Gelassenheit schritt sie ein und aus, einer jugendlichen Königin gleich. Alles an ihr leuchtete in Schönheit, Reinheit und Harmonie. Wie ihre über alle Begriffe vornehmen Hände die Gegenstände anfaßten, war reinster Gleichklang.