Und dennoch: sehe ich nicht hier die Umwelt, wie ich sie schon immer sah: durch die Brille all der tausend Begriffe und Deutungen, die ich ererbt und erworben habe? Ich sehe sie wie immer: von meinem eigenen, erfahrenen Ich aus. Nur in ungewöhnlichen Formen.
Nicht etwa wie im Traume, wo ich, erlöst von dem durch unzählige Vererbungsreihen und gehäufte eigene Erfahrung pedantisch gewordenen Arbeiten meiner Psyche, die Dinge sehe, wie sie wirklich sind, bunt, reich, ungeheuer, vielgestaltig, freigemacht von den unwirklichen Zweckmäßigkeitsbegriffen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, losgelöst von dem willkürlichen Begriffe des Raumes!
Oder sollte ich dennoch träumen? Sollten die Regulierungs- und Hemmungsvorrichtungen meiner brav gedrillten Psyche einmal, einmal, wie im Traume, den Dingen in ihr wahres, wirkliches Gesicht schauen? So also wäre die Welt? Darauf trinke ich!
Also wäre der Satz nicht wahr, daß unser Glück von unserer Unwissenheit abhängt? Sollte ich nun wissend sein und – wie mich deucht – glücklich zugleich?
Sehe ich jetzt das „Ding an sich“, von dem ich glaubte, daß es immer im undurchsichtigen Dunkel bliebe?
Sind dieser köstliche, goldbraune Wein, dieses im doppelten und schönsten Sinne des Wortes himmlische Weib das „Ding an sich?“ Dann will ich es preisen mit Zimbeln und Schalmeien!
Aber bin ich überhaupt mit meinen Gedanken in der Gegenwart? Wer ist solches je?!
Und was ist Gegenwart? Ach was! Ich achte sie nicht mehr, diese grobe Zerhackung alles Geschehens in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft! Ich bin ich! Wo ich bin, sind alle drei in eins! – Wein her! – Schulbegriffe! Fächer eines Konferenzzimmer-Regals! Aristoteles war ein Registrator! Auf dein Wohl, Giordano Bruno aus Nola! Dieses Glas der Unendlichkeit!
Und nun kling an mit mir, Nolenser, auf den alten Aristarch, der schon Jahrhunderte vor der Geburt des Menschensohnes aus Bethlehem die Erde um die Sonne kreisen ließ, und der den Begriff der Unendlichkeit an der Wurzel packte. Wißt ihr heute, Menschen, was das heißt?! Preis und Lob sei ihm in Ewigkeit, Amen!
Man hat ihm nicht geglaubt, dem wackeren Manne aus Samos, wo auch ein heißer Wein wächst gleich diesem. Der Schwindel des Aristoteles ist durch die Jahrtausende gezogen.