Die geräumige Küche und die hübsche Wohnung der Dienerin lagen mit einigen Wirtschaftsräumen in einem besonderen Häuschen hinter dem Haupthause, mit diesem durch einen kurzen gedeckten Gang verbunden.
Außerdem war noch ein zweckmäßiges Badehäuschen mit einem kleinen Schwimmbade da.
Das obere Stockwerk enthielt außer meinem Zimmer, das mir ein Gastzimmer zu sein schien, nur noch zwei Räume: Irids Schlafzimmer und, mit diesem verbunden, eine Bibliothek.
Also schlief Irid neben mir! Ohne Türen, nur durch Vorhänge getrennt. Ein befremdlicher aber anmutiger Gedanke!
Wer ist dieses junge Weib? Ist es ein Mädchen? Eine Witwe? In welcher Einsamkeit lebt sie! Ich sah nichts von Nachbarn. Nur die ewig stumme Dienerin. Das Haus stand einzeln in einem kleinen Garten am Rande der auf drei Seiten von hohem Walde umgebenen Seewiese. Eine abgeschlossene Welt. Eine Welt des Rätsels und des süßesten Wunders!
Die Sonne war inzwischen untergegangen. Irid führte mich jetzt hinaus auf die Wiese und hinunter zum Waldsee. An der Stelle, auf der ich sie heute früh begrüßt hatte, hielt sie inne, lagerte sich im Grase und hieß mich desgleichen tun. Der Hund Turu war mit uns.
In der friedlichen Stille des Sommerabends lagen wir zu dritt nebeneinander, wortlos wie immer, Irid mit ihren stummen Fragen, ich voll der buntesten Gedanken und in tausend Zweifeln über meine Lage, wohl die merkwürdigste, in der sich je ein Mensch befunden hat, und Turu, der Hund, die Schnauze auf den Pfoten, behaglich träumend.
Die Gedanken jagten sich in mir. Läge nicht dies jugendschöne Weib neben mir, duftend in der reifen Sinnlichkeit ihres Körpers, Ängste hätten mich überfallen.
Ihre weißen Füße waren mir nahe, und ich konnte nicht unterlassen, mit der Hand darüber zu streicheln. Sie ließ mich gewähren, auch als ich begann die zarte Haut ihres schlanken Beines zu liebkosen.
Dann aber nahm sie meine Hände in die ihren, hielt sie lange fest, sah mir ernst in die Augen und gab sie mir zurück.