Der weiße Riese sprach mit ihm in dem verdorbenen Spanisch jenes Landes, das aber trotz zahlreicher indianischer Beimischungen leidlich verständlich ist.

Es handelte sich um einen Revolutionär, Halbindianer, gleich der Mehrzahl der übrigen Landesbewohner Mischblut der alten spanischen Kolonisten und der Ureinwohner dieser Berge. Er war in der Schlacht bei San Felipe verwundet von seinem Trupp abgekommen, hatte sich in den Bergen verirrt und war überdies durch Raub während des Schlafes seines Gepäcks, seiner Waffen und seiner Oberkleidung verlustig gegangen. Jetzt suchte er nach Porto Cabello zu gelangen. Seine Kräfte waren indessen schon derartig erschöpft, daß man ihn unmöglich allein weiterziehen lassen konnte.

Mit offensichtlicher Sachkenntnis untersuchte der weiße Mann die Wunden des armen, jämmerlich stöhnenden Kerls. Dabei stellte sich heraus, daß ein Geschoß den Brustkasten durchschlagen und, da sich auch Bluthusten zeigte, offenbar die Lunge verletzt hatte.

Es war dringend nötig, die Wunden zu verbinden, zumal sich schon Insekten darin festsetzten. Da aber natürlich kein Verbandzeug zur Hand war, entledigte sich der Kapitän kurzerhand seines leinenen Hemdes und zerschnitt es mit Hilfe des anderen in lange Streifen, aus denen dieser mit bemerkenswerter Geschicklichkeit einen Notverband herstellte. Gesprochen wurde dabei kein Wort.

Als die Prozedur des Verbindens beendet war, sank der Verwundete ohnmächtig zusammen, konnte aber durch einen Schluck aus der Flasche des Kapitäns wenigstens wieder so weit zu Kräften gebracht werden, daß man ihn auf sein Tier zu heben vermochte.

Der nackte Mann wandte sich nun zu dem Kapitän und fragte ihn mit wohltönender, tiefer Stimme in reinem Spanisch, ob er helfen wolle, den Verwundeten in seine, des Fragenden, unferne Wohnung zu bringen. Die Zustimmung verstand sich von selber.

So schritten sie, den armen Teufel von Revolutionär stützend, links und rechts neben dem Maultier bergan.

Der Kapitän konnte jetzt in Ruhe die Züge des sonderbaren Samariters betrachten, da dieser sich oft besorgt dem Verwundeten zukehrte, um dessen Zustand zu beobachten.

Der Mann war offenbar germanischer Herkunft. Man hätte ihn etwa für einen Nordländer halten können, jedenfalls ließ das schmale, bartlose Gesicht mit stark herausgearbeiteten Zügen eine solche Vermutung zu. Mund und Nase waren kräftig entwickelt, und das Antlitz trotz reichlich großer, aber gesunder Oberzähne von auffallendem Ebenmaß. Als er einmal den Korkhelm abnahm, erwies es sich, daß sein weiches volles Haar schon ergraut war.

Das Bemerkenswerteste an dem Gesicht waren die großen, wasserklaren, blauen Augen, die mit beinahe unheimlich langem Blicke die Dinge faßten.