Das Alter des Mannes war schwer zu schätzen: Er mochte ebensogut ein früh ergrauter Dreißiger wie ein jugendlicher Fünfziger sein.
Ein Gespräch, das der Kapiteln einige Male anzuknüpfen versuchte, verlief jedesmal im Sande. Der Riese ging zwar höflich darauf ein, antwortete jedoch mit derart knappen Worten, daß der andere es vorzog, weiterhin zu schweigen.
Nach einer kleinen halben Stunde beschwerlichen Weges an dem Flusse entlang war man am Ziele angekommen.
An einer Stelle, wo der Fluß ein stilles bewaldetes Becken bildete, mit kleinen Felseninseln darin, stand auf hohem Ufer, halb in den Fels hineingebaut, ein niedriges steinernes Haus. Zwischen den vorderen Ecken des Daches und zwei eingerammten Pfählen war ein altes Schiffssegel als Sonnendach ausgespannt, das die Tür und die beiden einzigen Fenster überschattete.
Unter dem Sonnensegel stand ein steinerner Tisch, und neben diesem ein bequemer großer Korbsessel, wie er in den Tropen benutzt wird.
Unweit des Hauses, von dem aus man einen freien Blick über das Becken und den unteren, mit einem Wasserfall beginnenden Flußlauf hatte, lag ein kleiner, dichter Orangenhain, symmetrisch angelegt, und bemerkenswerterweise von einem niedrigen, sauberen, festgezimmerten Holzzaune mit einer verschlossenen Tür umgeben. Rechts und links neben der Tür standen zwei hohe Zypressen. Die Anlage machte, zumal in dieser Umgebung, einen sonderbar ernsten und fast feierlichen Eindruck.
Der nackte Mann zog den Mulo unter das Sonnensegel und band ihn an einen der Pfähle. Gemeinsam hob man den verwundeten Revolutionsmann, dessen Zustand immer bedenklicher zu werden schien, herab, und führte ihn in den Korbstuhl.
Auf dem Tische standen die Reste eines Morgenmahles und daneben lag ein aufgeschlagenes Buch.
Der Herr dieses kleinen Anwesens lud den Kapitän mit einer wortlosen Gebärde ein, auf einem anderen Stuhle, den er aus dem Hause geholt, Platz zu nehmen. Dann ging er hinein und kam nach einigen Minuten wieder heraus. Währenddessen hatte der Gast das Buch aufgenommen und zu seinem Erstaunen es als Goethes „Dichtung und Wahrheit“, und zwar in der Sprache des Dichters, erkannt.
Nun trug man gemeinsam den Verletzten in das Häuschen, das nur einen einzigen Raum enthielt, dessen Wände, wie der Kapitän zu seinem Erstaunen feststellte, zum größten Teil mit Büchern bestanden waren.