Nachdem der Mensch ein Ich geworden und das hastende Gedränge der Überfüllung einer bequemen, weitläufigen Ruhe und inneren Sicherheit Platz gemacht hatte, wurde das Weib auch von dem Manne frei, und erst damit die wahre Mutter ihrer freien Kinder. Wo das Seelenband zerriß, hielt nichts mehr die Mutter beim Vater. Sie ward frei von ihm und er von ihr. Nur der freie Wille bestimmte fortan das Verhältnis der Geschlechter untereinander.
Das schönste Geschenk der Natur war von den Fesseln gelöst, die menschliche Beschränktheit ihm angelegt hatte: der freie Liebesgenuß!
Eine weitere Befreiung brachte der Instrument gewordene Wille: der Mensch ward Herr der Krankheiten.
Wohl vermochte er nicht dem Tode als dem Beschließer des Alters zu gebieten, wohl konnte er nicht verhindern, daß eine schwere Wunde entstand, wenn eine unachtsame Sense das Bein traf, aber von dem gewaltigen Heer der inneren Krankheiten verlor der größte Teil seine Kraft.
Schon die Urmenschheit kannte den psychischen Einfluß auf die inneren Erkrankungen, aber sie wußte ihn nicht zu meistern. Ratlos stand sie vor Tatsachen, wie solchen, daß nach einem schweren Schiffbruche alle geretteten Kranken der Besatzung, auch die mit heftigem Fieber behafteten, gesund waren und sich erst entsannen, überhaupt krank gewesen zu sein, als die Erregung des Unglücksfalles schwand. Man sah nicht, daß hier, noch unbewußt, der innere Wille die Krankheit beendet hatte.
Kranksein ward ein Zustand, der von nun an nicht mehr periodisch durch alle Menschenleben zog und in der addierenden Wirkung auf die Reihe der sich folgenden Geschlechter die Menschenkörper verkümmerte und die Psyche auf das ungünstigste beeinflußte. Von einem gesunden Vater gezeugt, von einer gesunden Mutter geboren, im Besitze eines alle seine inneren Vorgänge beherrschenden Willens, blieb der Mensch frei von hemmender Krankheit und nahm zu an Größe und Schönheit des Leibes. –
Eine neue Menschheit erstand, Abscheu und Grauen war in ihr vor allem Künstlichen, vor alle dem barbarischen Werke ungeistig hochgezüchteten und überschärften Verstandes, aber auch vor den entsetzlichen Menschenhäufungen, die man „Städte“ genannt hatte, und die in Wahrheit die Brutstätten aller Ungeistigkeit gewesen waren.
Keiner der fabelhaften Fähigkeiten der Vorzeit mehr bedurfte es, die Menschen in ihren Bedürfnissen zu erhalten. Die Frucht des Feldes und des Gartens genügte zu ihrer Ernährung.
Das Wort „Freiheit“, mit dem die früheren Jahrtausende sich vergeblich heiser geschrien hatten in brünstigem Verlangen, verlor sein Gewicht, nachdem es geworden war wie die Luft: keiner kann ohne sie leben, aber keiner ruft nach ihr, denn sie erfüllt den Raum.
Niemand war des anderen Herr oder Knecht. Nur ein Herr noch galt unter der Sonne: Ich!