Als der Kapitän nebenbei auf die große Zahl der Bücher im Hause hinwies, sagte der Wirt, sie seien vorzugsweise naturwissenschaftlicher und astronomischer Art. Im übrigen habe er in seinem Vaterlande Medizin studiert und auch die Staatsprüfung dort bestanden, ohne allerdings lange als Arzt beruflich tätig gewesen zu sein. Im weiteren Gespräch erfuhr der Gast noch, daß der Einsiedler auch Naturwissenschaften und Philosophie studiert habe. Über seine sonstigen Umstände aber schwieg er durchaus.
Das Gespräch war durch das Stöhnen und Husten des armen Teufels, der die Ursache dieser literarischen Zusammenkunft geworden war, öfters gestört worden. Der Wirt mußte mehrfach zu ihm hineingehen, und bedauerte, kein Morphium zur Hand zu haben, um ihm den Todeskampf zu erleichtern. Es sei schwer für ihn, seltenere Medikamente zu bekommen.
In der Tat währte es nicht mehr lange, bis der bedauernswerte Bursche zu Ende gelitten hatte. Wirt und Gast standen bei ihm in seinem letzten Augenblicke, und der erstere sprach, während er ihm die gebrochenen Augen zudrückte, ein ernstes und gütiges Wort über das arme, verirrte Menschlein, das hier sein junges Leben hingegeben habe für das Phantom einer neuen Freiheit, die doch nichts anderes sei, als eine neue Knechtschaft unter jene zahlreichen körperlichen und seelischen Tyrannen, die der Mensch zu eigener Qual sich selber zu schaffen nicht unterlassen könne.
Man ratschlagte, was jetzt zu tun sei, und kam zu dem Ergebnis, daß der Kapitän nach Porto Cabello zurückkehren, dort die Behörde benachrichtigen und sie veranlassen solle, den Toten am nächsten Tage in der Frühe abzuholen.
Weil es aber der tropischen Temperatur wegen nicht angängig war, die Leiche im Hause zu behalten, und der Wirt sein Bett ja auch selber brauchte, mußte der Tote dieses jetzt räumen, wozu der Gast seine Hilfe anbot.
Der Wirt schien zu überlegen, an welchen Ort er den toten Mann betten solle, faßte aber schnell einen Entschluß, nahm einen Schlüssel von der Wand, holte ein weißes Laken, und sie hoben nun miteinander den Toten auf. Der Wirt schritt führend voran.
An der Zauntür des kleinen umfriedeten Orangenhaines machte er Halt und legte seine traurige Last nieder, um mit dem Schlüssel die Tür zu öffnen. Darauf schritt der kleine Kondukt weiter, einen schmalen, zwischen den Orangenbäumen verborgenen, kurzen Fußpfad entlang, der in das Innere des kleinen Haines führte, das von Bäumen frei und mit Gras bestanden war.
Inmitten dieses fast hallenartigen Plätzchens, in dessen vier Ecken abermals Zypressen gepflanzt waren, lag in feierlichem Halbdunkel ein einzelnes, sorgfältig gepflegtes Grab. Ein kleines Stück Fels stand darauf, dessen Vorderseite glatt gehauen war. Hier war von ungeübter Hand, aber deutlich lesbar, ein einziges Wort eingegraben: IRID. Diesem oder dieser Irid gaben sie den toten Mann als traurigen Schlafgenossen, bedeckten ihn sorgfältig mit dem Laken gegen die Insekten, und gingen schweigend von dannen.
Wieder vor dem Hause angelangt, verabschiedete sich der Gast von dem Einsiedler. Dieser sagte dabei fast schüchtern und ohne Betonung: „Es würde mich freuen, wenn Sie wiederkämen.“