Als der Himmel sich rötete, war mir, als ob mein Körper sich zu erleichtern begänne. Fester umschlangen meine Arme den zitternden Leib meines jungen Weibes, dessen Mund im Paroxysmus den meinen suchte.
Das Klingen, Harfenschwirren hub an, ein tiefer Orgelton erfüllte die Luft, und als die ersten Sonnenstrahlen über den Wald huschten, war die Verbindung mit dem Lager gelöst:
Ich schwebte frei empor und – durch die Wollust der Ekstase hindurch fühlte ich die Freude über den Erfolg – Irid blieb fest in meinen Armen.
Ihr Atem floß heiß über mein Gesicht. In allem Brausen der beginnenden Transfiguration vernahm ich deutlich das süße Wimmern ihres Mundes, wie sie meinen Namen stammelte. Dann schwand mir das Bewußtsein.
Auch heute, lange einsame Jahre nach den Ereignissen, deren Schilderung ich hier qualvoll niederschreibe, Jahre, da kein Tag versank, an dem nicht diese Stunden mir nahe waren, auch heute noch muß ich mich zwingen, den tiefen Schmerz meiner Seele zu bannen, um in sachlicher Folge zu berichten, was nun geschah:
Als mein Bewußtsein zurückkehrte, war das erste, dessen ich gewahr wurde, ein furchtbarer körperlicher Schmerz. Aber ich fühlte dennoch, daß Irid noch in meinen Armen war. Ich vermochte die Augen aufzuschlagen und sah uns auf felsigem Untergrunde halb im Wasser liegen. Irids Augen waren geschlossen. Mich deuchte, daß ihr Mund, wie im Traume, lächelte.
Einige Menschen umstanden uns, und ich hörte Stimmen. Dann schwanden mir wieder die Sinne. –
Zum anderen Male erwachte ich im Helldunkel eines engen Raumes. Beizender Rauch zog mir in die Nase. Wieder fühlte ich schwere Schmerzen in Kopf und Gliedern.
Vor mir saß ein altes Weib mit schwarzem, strähnigem Haar und rotgelben, faltigen Zügen. Alte, verbrauchte Decken waren über mich gelegt.