| Pferdespulwurm | 4 | Libelle | 24 |
| Heuschrecke | 12 | Forelle | 24 |
| Zwiebel | 16 | Frosch | 24 |
| Weizen | 16 | Maus | 24 |
| Schnecke | 16 | Mensch | 24 |
| Eidechse | 16 | Regenwurm | 32 |
| Meerschweinchen | 16 | Haifisch | 36 |
| Ameise | 20 | Krebs Artemia | 168 |
Sieht man eine Eizelle mit vier Schleifen, so kann man schwören, daß aus ihr ein Spulwurm wird und kein Regenwurm, und beobachten wir eine Zellteilung im Menschen, so kann man, sei es eine Hirn-, Haut- oder Nierenzelle, mit Bestimmtheit voraussagen, daß 24 Schleifen und nicht 36 erscheinen werden. Warum die Zahl der Schleifen bei den einzelnen Geschöpfen verschieden ist, ob und welchen Zusammenhang die Schleifenzahl mit der betreffenden Tierart besitzt, in welcher Weise die Eigenschaften auf die Schleifen verteilt sind, wie die Verknüpfung von Eigenschaften mit dem Stoff der Schleifen zu denken ist, was die Bildung der Schleifen, ihre Anordnung, ihre Quer- und Längsteilung veranlaßt, wie und warum sich dieser Mechanismus der Schleifenteilung in den Zellen im Lauf der Erdgeschichte entwickelt hat, diese und alle anderen Fragen, die sich sofort dem denkenden Betrachter aufdrängen, harren noch der Antwort. Die Teilung der Zelle — ein Mysterienspiel.
Die Dauer einer Zellteilung beträgt im Menschen ungefähr eine halbe Stunde und kann demgemäß bei reger Fortführung nach dem berühmten Muster der Weizenkörner auf dem Schachbrett zu ungeheuren Zahlen führen. Man lege abends eine Bohne in laues Wasser. Bis zum Morgen haben sich viele tausend Zellteilungen in ihr vollzogen. Die Teilung eines Bazillus währt 20 Minuten. Eine Milliarde von ihnen findet in dem millionstel Teil eines Litergefäßes Platz. Gäbe man den Nachkommen eines Bazillus Raum und Nahrung zu ungehemmter Fortpflanzung, so flösse in zwei Tagen das Gefäß über, und in fünf Tagen füllten die Bazillen den Atlantischen Ozean. Die Eier aus den Nachkommen eines sich ungehemmt entwickelnden Störweibchens füllten in vier Jahren die Erdkugel mit Kaviar. Solch schrankenloser Fortpflanzung wird durch den Mangel an Raum und Nährstoff und durch die brutale Vernichtung der weitaus meisten aller Keime eine natürliche Grenze gesetzt. Millionen sind berufen, einer wird auserwählt.
Die Zellteilung ist die Ursache des Wachstums. Wenn der abgeschnittene Nagel in Tagen wieder nachwächst, so geschieht es, weil sich die Zellen an seinem Boden in jeder Minute zu Hunderten teilen. Wächst das geschorene Barthaar in wenigen Stunden merklich nach, so haben an seinem Grunde in dieser Zeit zahllose Zellteilungen stattgefunden, wodurch es aus der Tiefe herausgedrängt wird. Wächst das Kind zum Mann oder zur Frau heran, so wird es hoch und breit durch die dauernde Teilung und Vermehrung der Zellen in allen Bezirken seines Leibes. Außerdem dienen die Zellteilungen dem Ersatz der abgebrauchten und ständig sterbenden Zellen in allen Organen. Die Zellen des Körpers leben zum allergrößten Teil nicht von der Geburt bis zum Tode des Menschen, sondern besitzen meist eine kurze Lebensdauer, sterben und werden durch ihre Nachkommen ersetzt — wie die Menschen im Leben der Völker. Hirn-, Muskel- und Knochenzellen teilen sich nur in der Jugend, solange der Mensch wächst, und leben dann das ganze Leben hindurch unverändert. Die übrigen Zellen dagegen leben nur wenige Jahre, ja nur Monate oder gar Wochen. Zwei Drittel aller Körperzellen, über 22 Billionen, sind Blutzellen, jene winzig kleinen Kügelchen, die im Blut des Menschen schwimmen, ihm seine rote Farbe verleihen und vermöge ihres eisenhaltigen Farbstoffes das Sauerstoffgas der Luft aus der Lunge in den Körper führen. Jede dieser Blutzellen lebt nur 20 Tage. Um in 20 Tagen 22 Billionen Blutzellen zu ersetzen, müssen also täglich eine Billion Blutzellen geboren werden und hierfür 500 Milliarden Zellteilungen stattfinden. Das sind in jeder Sekunde fünf Millionen. Da jede Zellteilung eine halbe Stunde währt, so sind allein für den Blutzellenersatz im Knochenmark beständig 10 Milliarden Zellteilungen im Gange. Für ein Menschenleben von 70 Jahren ergibt das die phantastische, selbst für astronomische Angaben ungeheuerliche Zahl von 10 000 Billionen Zellteilungen in einem einzigen Menschenleib allein für den Ersatz des Blutes. Hierzu kommen noch die ununterbrochenen Teilungen in allen übrigen Geweben. Zum Nachwuchs der ausfallenden Haare vollziehen sich täglich annähernd eine Million Zellteilungen in der Kopfhaut. Ein Vielfaches hiervon schuppt die übrige Haut ab, von der täglich unberechenbare Mengen Zellen abfallen, die man beispielsweise im Waschwasser nachweisen kann und für deren Ersatz dauernd Milliarden von Teilungen vor sich gehen. Die Geschlechtsdrüse des Mannes erzeugt jahrzehntelang täglich bis zu 100 Millionen Fortpflanzungszellen, — der Schöpfung ist kein Ende im Mikrokosmos des Lebens.
In diesem ewigen Sterben und Neugeborenwerden der Zellen liegt das Geheimnis unsrer steten Jugend. Das Alte, Abgenutzte stirbt in uns, und neues, frisches Leben wird von Tag zu Tag geboren. Die Todesstunde einer Milliarde verbrauchter Zellen ist die Geburtsstunde von zwei Milliarden neuer. Mit hunderttausend alten, lebensmüden Zellen legen wir uns schlafen und wachen des Morgens „neugeboren” mit zehnmalhunderttausend jungen auf. Wir sterben täglich, um täglich neugeboren zu werden, und leben so durch Tod und Auferstehung wie der Phönix in ewiger Verjüngung, ein durch die Jahre wandelndes Stirb und Werde!
Man überdenke rasch noch einmal das Schauspiel der Zellteilung. Der Zentralkörper erscheint, teilt sich und wird zum Doppelgestirn, das auseinander strebt und sonnenhaft das Plasma-All durchstrahlt. Die Sonnen ziehen geheimnisvolle Sphären durch die Welt der Eiweißmoleküle und ordnen sie zwischen zwei Polen. Der Zellkern schmilzt, sein Chromatin verdunkelt sich, ballt sich zusammen, bildet ein Band, das sich in Bänder teilt, diese krümmen sich zu Schleifen und ordnen sich unter dem Bann der geheimen Macht, die das Ganze durchwebt, im Äquator der kleinen Plasmawelt zu einem prächtigen Stern. Stern und Schleifen spalten sich, streben in sanften Bögen wie Kometen aufwärts und abwärts den beiden Polen zu, und hinter ihnen, indes sie sich wieder zum Kern verflechten, furcht sich wie das Wasser hinter dem Kiel des fahrenden Schiffes das Plasma der Zelle und schnürt sich durch, — dieses entzückende Schauspiel, das mit dem bunten Wechsel seiner Szenen, der sinnvollen Verteilung der Rollen, dem bewegten und doch innerlich so folgerichtigen Ablauf seiner Handlung, der Schürzung und Lösung des Knotens und seinem befreienden Ende ein echtes Schauspiel ist, spielt sich auf einer Bühne ab, die kleiner ist als ein Staubkorn im Sonnenlicht, deren 100 Millionen in einem Stückchen Zucker Unterkommen fänden, spielt sich stündlich, in jeder Minute und jeder Sekunde, ohne daß wir es wollen oder wissen, ohne daß wir es fühlen oder sehen, in unserem Innern ab, ist unser Wachsen, ist unser Sein. Man zähle mit der Uhr die Sekunden 1, 2, 3, 4, 60 die Minute, über 3000 die Stunde, fast 100 000 den Tag, mit jeder Zahl, die man spricht, begleitet man über fünf Millionen Bühnenspiele dieser Teilung in dem Riesenzelltheater seines Leibes.
Und nun wende man seine Blicke auf zum Himmel und sehe über sich die Unzahl der Sterne glühen, jeder eine Sonne, umgeben von Planeten und Monden, zahllos wie der Sand am Meer, dicht gedrängt wie der Staub in Wolken und doch in Wahrheit geschieden durch Räume, die selbst das Licht nur in Jahrtausenden durcheilt, ohne Anfang diesseits, ohne Ende jenseits, ohne Grund unter uns, ohne Grenze über uns. Uns selber aber finden wir auf einer grünen Kugel lebend, die im freien Raume schwebt und um eine dieser Sonnen kreist, nach Menschenmaß so weit von ihr entfernt, daß kein Gedanke diese Strecke durchmißt, nach den wahren Maßen dieser Welt jedoch ihr so nahe und so winzig, daß sie mit ihr wie zu eins verschmilzt und nicht einmal, vom nächsten Stern gesehen, als Punkt im schärfsten Glas gefunden werden könnte; auf diesem in des Wortes wahrsten Sinne so genannten Sonnenstäubchen finden wir uns, auf ihm selber wieder so klein, als wären wir gar nicht da, so nichtig und so flüchtig für sie wie für unsere Sinne die Bazillen, die auf der Schale eines irgendwo in einem Keller faulenden Apfels einige Stunden umherzucken, so wahrhaft nichts, daß, wenn uns heut ein Eishauch aus dem Weltraum dahinwehte, diesem Kügelchen Erde ebensowenig fehlte, wie dem Apfel, wenn die Bazillen in den Ritzen seiner Haut erfrören, — Mikroben auf einem im Sonnenlicht kurze Zeit hinwehenden Kugelstäubchen! Und nun schauen wir, überwältigt von der Größe des Weltalls, niedergebeugt von der Kleinheit unseres Ichs, beschämt in unser Bazilleninneres und entdecken nun hier nicht Leere und nicht Stille, nicht Ungestalt und nicht Wirrnis, sondern sehen wieder wie droben außer und über uns so nun in und unter uns einen Himmel, in dessen Räumen sich der Blick verliert, sehen wieder Myriaden kosmisch geordneter Zellsysteme, wieder zahllos wie der Sand am Meer, dicht gedrängt wie der Staub in Wolken, und jedes dieser Pünktchen ist wieder wie droben jeder Lichtpunkt ein kleines All für sich, in dem Welten aus dem Unsichtbaren tauchen und in Sphären kreisen, Sonnen strahlen und sich teilen, Pole ihre magnetischen Felder ziehen und Kometen ihre Bahnen wandeln, Bahnen, die an Schönheit und Gesetz die Milchstraßen des Himmels und die Kometenläufe des Firmamentes überbieten, — und dieses Universum, das sind wir! Der Mensch, ein Bazillus im Weltall, ein Weltall in einem Bazillus! Zu klein, sich in den Makrokosmos der Welten aufzuschwingen, zu groß, sich in den Mikrokosmos seines Wesens zu versenken, denn es ist nicht seine Macht, die Sonnen in die Räume streut und Zellen in ein Pünktchen drängt, tastet er vergebens mit seinen Zwergenfingern an den Planeten, sie zu umklammern, greift er vergeblich mit seinen Riesenhänden nach den Zellenwelten, sie zu fassen, als staubgeborener Sohn der Erde zum Menschlichen und Mittelmaß verdammt, kann er, zwischen Sternen und Zellen wandelnd, nur das Geheimnis ihres Daseins verehren, doch zu begreifen, ist ihm versagt . . . .
Neben der geradezu an Ehrfurcht grenzenden Achtung vor den Erscheinungen des Zellebens hat die Gesetzmäßigkeit der Vorgänge die Forscher ermutigt, nicht in stummer Bewunderung vor ihnen zu verharren, sondern diesen Gesetzen nachzuspüren, die Bedingungen ihres Ablaufs zu ergründen, im praktischen Versuch zu verwirklichen und so die Mechanik des Zellebens nachzuahmen. Trotz ihrer geringen Zahl und Anspruchslosigkeit sind diese Versuche ebenso interessant wie vielverheißend ausgefallen.
Als erster Versuch berühmt geworden ist die „künstliche Zelle” von Traube. Leim und Gerbsäure verbinden sich zum festen gerbsauren Leim. Träufelt man in eine Gerbstoff(Tannin-)lösung, wie man sie in jeder Drogerie erhält, einen Tropfen Leim, so bildet sich auf der Oberfläche des Leimtropfens eine feste Haut gerbsauren Leims, während das Innere des Tropfens flüssig bleibt. Zwischen dem flüssigen Leim innerhalb und der Gerbstofflösung außerhalb der Tropfenhaut beginnt nun auf dem Weg der Osmose ein Stoffaustausch. Der Leim nimmt durch die Hülle hindurch Wasser auf, quillt, sprengt die Haut und tritt aus. Sobald er aber hierbei mit der Gerbstofflösung in Berührung kommt, verwandelt er sich in festen gerbsauren Leim und schlägt sich als Haut über den Riß nieder. Nun beginnt das Spiel von neuem, bis der ganze Leim ausgetreten ist. Durch das beständige Austreten und Niederschlagen des Leimes wird die Kugel immer dicker und bietet so das anziehende Spiel des Wachstums.
Unvergleichlich weiter führten die Versuche, die der französische Arzt Stephan Leduc angestellt hat. Auch diese stützen sich fast ausschließlich auf den Austausch von Stoffen zwischen Lösungen verschiedener Stärke (Diffusion und Osmose). Er träufelt Tropfen einer 5-10%igen Ferrozyankalilösung auf Glasplatten, die mit einer halbfesten Gelatine überzogen waren, und erhielt Figuren, die mit Kolonien von Zellen auffallende Ähnlichkeit besitzen. Die entstehenden zellförmigen Gebilde zeigen sogar in ihrer Mitte kernartige Verdichtungen wie echte Zellen.