Abb. 22c: 3. Stufe der Zellgemeinschaft. Geschlossene Kolonie durch auflösbare Kugelgemeinschaft von Wimpernzellen (Norwegische Flimmerkugel).
Stiellose Zellen vereinigen sich zumeist durch einfaches Aneinanderlegen und Gruppieren um einen Mittelpunkt, wodurch sie Zellkugeln bilden. Haeckel fand in den nordischen Gewässern eine Zellenkolonie aus 32 Einzelzellen, die eine Kugel bilden und sich mit Flimmern im Meere tummeln. Nach einer gewissen Zeit zerfällt die Kugel, und die Einzelzellen werden wieder frei ([Abb. 22c]).
In dieser Freiheit der Einzelzelle liegt das Wesen der Kolonie im Gegensatz zum Organismus. Jede Koloniezelle ist ein freies Individuum, das sein eigenes Leben führt, aus dem Zellverband austreten und wieder ein Einzeltier werden kann. Aber das dauernde Zusammenleben führt bald zu Folgen, die für die Einzelzelle wie für den Zellverband von der tiefgehendsten Bedeutung werden. Eine kugelige Zellenkolonie steht der Außenwelt genau so gegenüber wie die kugelige Einzelzelle. Wie in dieser müssen sich auch hier die Fähigkeiten der Bewegung und Empfindung in den Außenbezirken, die der Verdauung und Fortpflanzung im Innern der Kugel entwickeln. Die Außenzellen, in dauernder Bewegung begriffen und unter ständigem Einfluß der Reize der Umwelt, werden Spezialisten der Bewegung und Empfindung; in die abgeschlossenen Innenzellen wandern die Nahrungsstoffe und werden hier verdaut, wandern die wichtigen Erbmassen und werden hier in besonderen Zellen, den Keimzellen, aufgespeichert. Durch diese einseitige Ausbildung verlieren die äußeren Zellen die Fähigkeit der Verdauung und Vermehrung, verlernen die inneren die Bewegung und Reizaufnahme, jene können ohne diese, diese können ohne jene nicht mehr sein, sie müssen von nun an untrennbar verbunden miteinander leben und miteinander sterben, — die Kolonie ist zum Organismus geworden.
In unseren Teichen lebt eine Zellkugel, Volvox oder Kugeltier genannt. Die Botaniker nennen den Volvox eine Pflanze, die Zoologen ein Tier, in Wahrheit steht er am Scheideweg der großen Lebensstraße, die aus der gemeinsamen Urheimat der Einzeller in die beiden Schwesterreiche der Pflanzen und Tiere führt. Dieser Volvox ist keine Kolonie mehr. In der norwegischen Flimmerkugel sind alle Zellen gleich und alle im Besitze aller Lebensfähigkeiten. Die Zellen des Volvox dagegen haben sich durch Arbeitsteilung in zwei Klassen geschieden, die Körperzellen und die Keimzellen, die auf je eine Kugelhälfte verteilt sind. Die Kugelhälfte mit den Körperzellen ist bei der Bewegung nach vorn gerichtet; ihre Zellen ertasten den Pfad und suchen die Nahrung. Die Keimzellen der Gegenhälfte kümmern sich nicht um die Außenwelt, ihre Bestimmung sind innere Aufgaben, sie dienen einzig der Fortpflanzung, und aus ihrem Bezirk wachsen die Tochterkugeln, die sich später von der Mutterkugel lösen. Durch diese Arbeitsteilung haben die Körperzellen die Fähigkeit verloren sich fortzupflanzen, haben die Keimzellen verlernt, Nahrung zu suchen, sind sie untrennbar aufeinander angewiesen, ist die Volvoxkugel ein unteilbares Ganze geworden. Der Volvox ist der erste Zellverband mit Arbeitsteilung, der erste Organismus (Abb. 22d, [Taf. VII]).
Die älteste und wichtigste Arbeitsteilung im Organismus ist die Scheidung in Körper- und in Keimzellen. Bei höherer Entwicklung treten in beiden Gruppen weitere Arbeitsteilungen ein. Die Keimzellen sondern sich in männliche und weibliche. Die Körperzellen scheiden sich zuerst in Bewegungs- und Ernährungszellen; alsdann die Bewegungszellen wieder in solche, die den Weg ertasten, dadurch das Gefühl ausbilden und Sinneszellen werden, und in solche, die sich ausschließlich der Fortbewegung widmen und zu Muskelzellen umwandeln. An der Körperoberfläche bildet sich ein Teil der Zellen zu Schutzzellen, Panzer- und Deckzellen, aus, oder zu Kampfzellen, die Stacheln ausstrecken und Gifte ausscheiden. Unter den Sinneszellen werden die einen Spezialisten für die Aufnahme von Lichtreizen (Sehzellen), die anderen von Schallwellen (Hörzellen). Die Ernährungszellen teilen sich in solche, die die Nahrung aufnehmen, indem sie diese mit Wimpern in den Körper hineinstrudeln (Wimper- oder Flimmerzellen), und solche, die im Innern des Körpers die hineingestrudelte Nahrung durch Säfte chemisch zerlegen und verdauen (Drüsenzellen). Weitere Arbeitsteilungen unter ihnen führen zur Ausbildung von Lungenzellen für die Aufnahme der Atemgase, von Blutzellen für den Umlauf der Gase, von Nierenzellen für die Ausscheidung der Verdauungsschlacken, von Fettzellen für die Speicherung der Nährstoffe, Nervenzellen für die Leitung der Reize usw., so daß der Körper eine immer feinere Organisation erfährt, bis wir schließlich in den höchsten Geschöpfen Zellenstaaten mit hundert verschiedenen Zellspezialisten vor uns sehen, die, wie im Menschenstaat die verschiedenen Berufe, für einander arbeitend und auf einander angewiesen, harmonisch und festgefügt zusammenleben. Der Zellenstaat des menschlichen Körpers ist ein Staatswesen von einer Größe und Durchbildung der Organisation, daß selbst der genialste Staatsmann aus seinem Studium die fruchtbarsten Anregungen zu schöpfen vermöchte. Seine Übereinstimmung mit dem modernen Staatswesen ist so durchgreifend, daß sie sich weit über das Maß eines äußeren Vergleichs erhebt und im Lichte einer einheitlichen Naturauffassung den Menschenstaat als die natürliche Höherordnung des Zellenstaates erscheinen läßt.
Der menschliche Zellenstaat vereinigt 30 Billionen Bürger, also rund 500 000 mal soviel wie das Deutsche Reich. Seine Verfassung ist im Gegensatz zur Monarchie des Bienenstaats die einer Republik, in der die Bürger in Kasten eingeteilt sind, unter denen die gebildetsten, entsprechend ihren höheren Fähigkeiten, nach genau festgelegten Machtbefugnissen die Vorherrschaft führen. Man kann sagen, der Zellenstaat ist eine Republik unter der Vorherrschaft einer erblichen Geistesaristokratie. Diese Geistesaristokraten sind die Hirnzellen. Anarchie und Tyrannei sind in der Zellenrepublik unbekannt, Regierungsschwäche und Bürgerstreitigkeiten selten. Die persönliche Freiheit des einzelnen Bürgers ist sehr gering. Die Wirtschaftsform ist ein strenger Kommunismus mit genau vorgeschriebenen Arbeitspflichten und ebenso genau abgemessenem Arbeitslohn. Freie Arbeitswahl, Eigenwirtschaft, Privatbetriebe, eigennützige Gesellschaftsbildung, Anhäufung von Vermögen zuungunsten der Nachbarn und der Allgemeinheit, Selbstversorgung, Freizügigkeit, Luxus und freiwillige oder unfreiwillige Arbeitslosigkeit sowie Rentenwirtschaft und Zinsunwesen sind im Zellenstaat nicht gäbe.
Jede Kaste hat ihren vorgeschriebenen, angeborenen, wie bei den japanischen Meistern vom Vater auf den Sohn ererbten und dadurch zu höchster Blüte getriebenen Beruf, arbeitet für den Staat und wird dafür vom Staat mit allen Mitteln versorgt. Die Hauptkasten sind: die Bewegungszellen, die zu Muskelheeren vereinigt sind; die Drüsenzellen, die in den chemischen Staatsbetrieben der großen Körperdrüsen arbeiten, in den Speicheldrüsen des Mundes Speichel, in den Salzsäurefabriken des Magens Pepsin und Salzsäure, in den Zuckerraffinerien der Leber Zucker und Stärke, in den Molkereien der Brüste Milch, in den Gerbereien der Haut Leder, in den Hornfabriken der Haare Schildpatt und in den Ölmühlen der Gelenke Achsenschmiere bereiten. Der weitaus größte Teil der Zellen dient dem allgemeinen Verkehr, der den Fabriken die Betriebsstoffe zuleitet, die fertigen Erzeugnisse im Lande verbreitet, die Nahrungsmittel umherträgt und die Abfallstoffe ausführt. Diese Verkehrszellen sind die Blutkörper, die Goldmünzen des Reiches, die im Knochenmark geprägt werden und in dem Innern der panzerfesten Gebeine sicherer liegen als in den Wasserkellern und Stahlkammern unserer Banken. Der Zellenstaat hat seine Börsen, Banken, Münzen und Wechselkassen. Die Reichsmünze ist das Knochenmark. Hier wird das Gold des Blutes geprägt. In jeder Sekunde verlassen fünf Millionen Münzen die Prägeanstalt und laufen in den fließenden Geldstrom des Zellenstaates, das Blut. Die Reichsbank ist die Leber, die den Geldstrom dauernd kontrolliert, das abgenützte Geld einzieht, einschmilzt und das Rohmaterial zu neuer Prägung an das Mark zurückführt. Die Bankfilialen sind die kleinen Lymphdrüsen, die über das ganze Reich verteilt und an jeder Straßenecke und Wegkreuzung aufzufinden sind. Sie dienen zugleich als Zollstationen, in denen das vorbeifließende Blut auf staatsfeindliche Gifte und Fremdware untersucht wird. Eine Hauptfiliale ist die Milz, die daher bei allen Vergiftungskrankheiten mit den Lymphdrüsen anzuschwellen pflegt. Der im Umlauf befindliche Geldbestand des Reiches wird mit Beharrlichkeit auf 22 Billionen Einzelmünzen gehalten. Die Überschüsse, die der Staatshaushalt erzielt, werden nicht, wie unzweckmäßigerweise in unseren Menschenstaaten, in der unverwendbaren Form von Gold, sondern als brauchbarer Rohstoff in Gestalt von Fett durch eine besondere Zellkaste aufgespeichert und verwaltet. In den weitverbreiteten Fettspeichern der Unterhaut, in allen Lücken zwischen den Organen und längs der großen Aderstraßen werden die Fettvorräte gesammelt und bilden für die Zeit der Not und Kriege unerschöpfliche Lager von Munition und Proviant. Die regierende Kaste des Zellenstaates, die Nervenzellen, führen hoch oben in der palastartig ausgebauten Schädelkapsel, wahrhaft an der Spitze des Staates, als Gehirn ihr zwar sorgenfreies, aber verantwortungsvolles und inhaltschweres Leben. Milliarden von Zellbeamten sind hier als erste Diener ihres Staates tätig. Die einen arbeiten in den Handelsministerien des Nackenmarks, das die Kanäle und Schleusen der Blutbahn reguliert und durch Weiten der Adern das Blut je nach Bedarf der Nahrungseinfuhr in die Därme, bei Muskelarbeit in die Muskeln, bei Gedankentätigkeit ins Hirn und bei Kälte in die äußere Haut hinleitet, um so den frierenden Grenzbewohnern Wärme zu senden. Andere arbeiten in den Ministerien des Verkehrs, das den Lauf der Muskel leitet, die Finger führt, die Zunge zur Sprache und die Augen zum Lesen bewegt. Im Kultusministerium der grauen Großhirnrinde sitzen die Denkzellen, die Gedanken ersinnen, Erinnerungen in die Registratur des Gedächtnisses schreiben, Zahlen in ihren Rechnungsbüchern zusammenstellen, Eindrücke in die Wachsplatten des Gemütes prägen und die Begriffe in das Fachwerk der Logik reihen. Tausende sitzen an den Morseapparaten der Sehhügel und befördern nach dem Rhythmus der Ätherwellen, die in dieser Sekunde von den Buchstaben dieser Worte in dein Auge fallen, das Morsealphabet der Lichtsignale in die Ministerien der Erinnerungen und Wortbildungen, der Ideenverbindung und Gefühlsverkettung. Tausende sitzen an den Telephonen der Ohrleitung und verbinden die einzelnen Regierungsabteilungen mit den Anrufen der Außenstaaten, die durch die Luft drahtlos wie Funksprüche herüberklingen. Durch ein einzigartiges Telegraphennetz mit hunderttausend Haupt- und Nebenleitungen, Schaltungen und Umformern stehen die Regierungsabteilungen untereinander und mit allen Organen des Reiches in Verbindung und führen Tag und Nacht die diplomatischen Geschäfte des Zellenstaates. Ein Wille der Regierung, und das Staatspumpwerk des Herzens verdoppelt seine Schlagzahl, ein Befehl der obersten Zellbehörde, und der Magen entleert durch Brechen seinen Inhalt, der als staatsverderblich befunden wurde. Eine Beleidigung der Regierung, und flammende Röte des Angesichts kündet den Zorn des beleidigten Volkes, eine Bestürzung der Schwäche in dem Kabinett der obersten Leitung, und das Staatsgebäude erzittert in seinen Festen durch Mark und Bein.
Der Größe und inneren Organisation des Staatswesens sind seine technischen Einrichtungen würdig. Seine Hautgrenze ist mit Milliarden Panzerplatten aus Horn, den Hautzellen, befestigt. Ein dichter Wald von Haaren deckt sie. Unzählige selbsttätige Signalapparate melden als Tastkörper fremde Berührung, als Wärmeapparate das Nahen von Hitze, als Fühlhaare den kalten Luftzug, als Schmerzpunkte erlittenen Schaden. Gewaltige Sinnesorgane spähen als Festungen hinaus in Feindesland: die beiden Riesenleuchttürme der Augen, die die Ätherwellen des Weltalls auffangen und weiter reichen als alle Leuchttürme der Nordsee; die beiden gewaltigen Schallapparate der Ohren, die die Wetterstationen für die Wellenstürme der Atmosphäre sind, und der Gasalarmapparat der Nase, der giftige Dämpfe signalisiert.
Die Einfuhr überwacht der Mund, der große Einfahrtshafen des Zellenreiches, in dem die wachsamste und unbestechlichste Zollbehörde, die nur ein Staat sich wünschen kann, mit tausend Geschmacksapparaten auf Zunge und Gaumen alle einlaufenden Waren überprüft, mit Wollust alle labenden Speisen passieren läßt, mit Abscheu allen widerwärtigen Unrat zurückweist. Das diamantenscharfe Fallgatter der Zähne überwölbt als Festungstor die Einfahrt, fällt auf alle übermäßig große Frachten nieder, teilt sie in Postpakete und übergibt sie Wangen und Zunge, die sie zu Bissen formen, mit Speichel schlüpfrig machen und dann in der idealen Torpedoform genau wie unsere Rohrpostbüchsen in den großen Verkehrskanal der Speiseröhre hinuntertreiben. Die eingeführten Waren werden in der großen Zentralmarkthalle des Magens aufgespeichert, mit Salzsäure desinfiziert, geschichtet und gestapelt und wandern dann wieder in kleinen Paketen in den Canale grande des Körpers, den Darm. Hier werden sie durch Säfte, die aus tausend chemischen Fabriken in Röhren zuströmen, verflüssigt und zersetzt und wandern durch Aufsaugröhren nun nochmals einer großen Quarantänestation zu, um hier abermals geprüft zu werden, ehe sie in diesem idealen Land der Volkshygiene frei verhandelt werden dürfen. Diese große Quarantänestation des Zellenstaates ist die Leber. Erst aus dieser wandern sie zollfrei in das Leitungsnetz der Adern und damit in das eigentliche Innere des Landes. Dieses Adernetz ist das gewaltigste Leitungssystem, das je einen Staat versorgt hat. Was sind die Wasserleitungen von Rom und Babylon gegen das Adernetz des Zellenstaates? Eine gewaltige Zentralpumpe treibt Tag und Nacht durch Kolbenstöße das Blut über einen hochgewölbten Wasserbogen durch elastische Gummiröhren, die sich in immer feinerer Verzweigung über alle Provinzen des Reiches ausbreiten und schließlich in feinsten Leitungen an allen Zellhäusern vorüberführen. Diese Kanäle haben keine Schleusen und keine Wehre, diese Leitungen keine Hähne und Hebel, sie sind die ideale schrauben- und gewindelose, elastische, sich selbst regulierende, nach Bedarf verengernde und erweiternde Wasserleitung, die der Zukunftstraum aller Techniker ist. Diese Leitung führt nicht nur das Wasser, sie leitet Nahrung, Gas und Wärme, führt das Arbeitsmaterial für die Fabriken, sie führt den Unrat und die Abwässer, sie vermittelt allen Frachtverkehr und Warenumsatz, allen Straßenhandel und Personenverkehr, sie ist die erträumte Universalstraße des Zukunftsstaates, Wasserleitung und Gaskanal, Abflußrohr und Straßengosse, Warmwasserleitung und Dampfheizung, Bürgersteig, Trottoir roulant und Fahrdamm, Schiffahrtsweg und Schienenstrang, Fahrstuhl und Rohrpost zugleich. Aus dieser einen Röhre schöpft der Zellenbürger sein Wasser und sein Salz, sein Brot und sein Eiweiß, sein Fett und seinen Zucker, seinen Sauerstoff, seine Wärme und alle Rohmaterialien, die er für seinen Spezialberuf benötigt. In sie wirft er alles hinein, dessen er sich entledigen will, seinen Kot, seinen Kehricht, seine Abwässer und Speisereste, das ausgehauchte Atemgas und die Waren, die er in seiner Werkstatt verfertigt. Der Zellbürger braucht nicht auszugehen, um einzukaufen, sich nicht zu sorgen, daß er ernährt wird, er braucht keine Frau zu nehmen, die ihm sein Mittag kocht, und keine Magd, die ihm seinen teuren Braten verbrennt; er braucht nicht zu heizen, keine Luft zu schöpfen im Stadtpark und auf seinen Nachbarn nicht neidisch zu sein. Er erhält durch die große Staatsleitung alles, was er zum Leben braucht, und alle Bürger erhalten das gleiche. O du Schlaraffenland des Lebens! An dessen Häusern der Quell der Nahrung immerwährend vorüberfließt, dessen Bürger nur zu schöpfen brauchen, um zu genießen, in dem die Not nicht bekannt und der Neid nicht zu Hause, in dem alles jedem und jedem alles gehört.
Die Abfallstoffe auszuscheiden, durchläuft das Blut die beiden großen Wasserwerke der Nieren, in denen es in vielgewundenen Filtern entgiftet und geklärt wird, und fließt dann von neuem um. Die ausfiltrierten giftigen Abwässer laufen durch lange Röhren in das große Sammelbecken der Blase und werden von hier in abgemessenen Mengen ausgeschieden. An diese große Zentralleitung des Blutes ist neben der Maschinenhalle des Herzens als Riesenventilator die Lunge angeschlossen, in der in 1800 Millionen einzelnen Luftkammern die 22 Billionen Sauerstoffballons der roten Blutkörper ihrer Kohlensäure entladen und frisch mit Sauerstoff gefüllt werden, in jeder Sekunde eine Billion, rasch und geräuschlos, um dann von neuem in behendem Lauf davon und in der unvorstellbaren Kürze einer halben Minute durch die ganzen Aderstraßen des Reiches hindurchzueilen.