„Kenn’ ich schon — möchtest mir’s wieder abluchsen — da wird nichts draus — in der Religionsstund’ schreib’ ich’s ab.“
Und während in den ersten Bänken der Katechismus abgefragt wurde, schrieb der Balthasar in der letzten Bank aus Raschelblättern ab und ab. Eben war er fertig, als der Aufsatzlehrer eintrat: „Konzepthefte einsammeln!“
Eine Woche verging. Hans war recht still. Stiller als die Seinigen zu Hause. Alle Augenblicke stellte ihn dort jemand auf der Treppe, im Korridor, im Zimmer: „Nun, Hans, ist dein Aufsatz schon zurückgegeben?“ fragte Mutter. — „Na, Hans“, sagte Onkel Franz, „und der Aufsatz?“ — „Hans, hast du deine Eins schon abgekriegt im Aufsatz?“ sagte Tante Lotte. — „Hannes, Hannes,“ sagte am zuversichtlichsten der Vater, „diesmal hat er dich wohl übern Schellenkönig gelobt, dein Aufsatzlehrer, he?“
„Die Aufsatzhefte werden erst am nächsten Sonnabend zurückgegeben“, sagte Hans leise. Fast geduckt ging er weiter. Sie sahen ihm nach:
„Ich weiß nicht, was der Junge hat,“ sagten sie kopfschüttelnd, „wenn uns jemand so geholfen hätte mit den schönsten Sätzen, als wir in die Schule gingen...“
Da war der Sonnabend da. Und da lag der Stoß Aufsatzhefte am Katheder, so hoch, daß des Lehrers Angesicht darüber kaum zu sehen war.
„Zunächst die beste Arbeit,“ sagte der Lehrer, ernst ein Heft in seinen Händen wägend, „Hans, das war deine beste Arbeit. Ganz warm ist mir dabei geworden. Hört mal...“
Mäuschenstill hörte die Klasse Hansens Aufsatz an. Nur der lange Balthasar in der letzten Bank rutschte etwas hin und her.
„Hans, bei dieser Nummer magst du bleiben. Note 1. Wie einem das wohl tut, wenn man all den andern aufgeblasenen Sums — zum Beispiel den da — hört mal: ‚Die materiellen, intellektuellen und moralischen Konsequenzen des Krieges leuchten wie riesige Fanale‘ und so weiter und so weiter. Sag’ mal, Balthasar, wo hast du dir denn diesen abgestandenen Schmarr’n zusammengestohlen?“
„Von — von — vom Hans!“