„Na, das ist denn doch! — Hans kann solches aufgepapptes Zeug überhaupt nicht schreiben. Hans, dieser Aufsatz soll von dir sein?“
„Nein, Herr Lehrer.“
Zu Hause sah man es ihm an. Sie umdrängten ihn: „Na, Hans, der Aufsatz ist zurück?“ Hans nickte selig. „Und du hast den Vogel abgeschossen, Hans?“ Hans nickte seliger. „Na, kein Wunder, lieber Hans — aber danken hättest du uns wenigstens ’n bißchen können...“
Auf dem nächsten Schulweg warnte den Hans ein Kamerad: „Du, nimm dich vor dem Balthasar in acht. Er sagt, du hättest ihn mit dem letzten Aufsatz schauderhaft hereingelegt. Und er will dich ebenso verhauen.“
Da straffte sich dem Hans etwas im vierten Rückgratswirbel, wo der Mut sitzt, gleich hinter der Wahrhaftigkeit: „Soll nur kommen!“
Der Hunderter
Ich habe einen sonderbaren Hunderter. Der will nicht aus meiner Kasse. So oft ich mich bemühe, ihn zu einem Extrazweck auszugeben, er knistert: Nein. Vielleicht kann ihm jemand helfen? Aber dazu muß ich seine Geschichte erzählen.
Der Hunderter gehörte früher meiner Tante. Und noch früher der Frida. Und noch früher, das weiß ich nicht. Niemand weiß, woher ein Hunderter kommt, niemand weiß, wohin er geht. Hunderter sind wie Schienenstrangstücke in Untergrundbahnhöfen: Dunkel, kurzes Blitzen, wieder Dunkel. Das Blitzen meines Hunderters trug sich so zu: Die Frida diente bei meiner Tante. Grundehrlich, stand in ihrem Dienstbuch. Aber das steht in vielen. Was in Dienstbüchern steht, ist nicht so wichtig. Wichtiger ist, was nicht darin steht. Nicht darin stand, daß sie von der stillen Art war. Kein Klappern, kein Geschrei, kaum ein Fragen. Und wenn man selber eben fragen wollte: „Frida haben Sie...“ oder „Frida, ist schon...“, so war schon immer alles fertig. Leise schwangen ihre langen Arme an den breiten Hüften: „Und was jetzt?“ Mit diesem „Und was jetzt?“ ging sie durch das Leben.
Meine Tante wußte, was sie an ihr hatte. Aber einmal fehlte ein Hunderter. Die Tante hatte ihn in die Schreibtischschublade geschoben, als es klingelte. Dabei vergaß sie, den Schlüssel umzudrehen. Dann unterschrieb sie auf dem Gang den Einschreibebrief, während die Frida den Schreibtisch abstaubte. Erst am Abend erinnerte sich meine Tante an den nicht umgedrehten Schlüssel. Der Hunderter war verschwunden.