Nein, dieser unverschämte Bengel! Dem sollte ich wohl seinen Boten machen, um aus irgendeinem Stockwerk über uns oder unter uns irgendeinen Miller —
„Du, Mann,“ sagte hinter meinem Rücken die seltsam bedrängte Stimme meiner Frau, die aus der Küche hergekommen war, „du Mann, ich glaube, er meint unsern — unsern Hansi.“
„Unsern — unsern —?“ stammelte ich verbindungslos.
Der kam plötzlich aus dem Kinderzimmer hereingeschossen.
„Warum habt ihr nicht gesagt, daß mich der Spohrer ruft?!“ sagte er gekränkt, holte sich seinen Schlitten und zog mit dem Spohrer ab. Weder der Hansi noch der Spohrer warfen einen Blick zurück zum Fenster, wo die Mutter noch lange neben dem Vater stand und ihnen nachsah. Nachsah, bis der Schlitten und der Hansi und der Spohrer um die letzte Ecke bogen.
„Der Miller“, sagte sie langsam und bemühte sich, mich anzulächeln. Aber da stürzten ihr die Tränen aus den Augen. Sie fuhr sich an den Lenden hinab, als habe sich daran zum erstenmal ein Stück von ihrem Hansi abgeblättert.
„Der Spohrer“, gab ich ihr zur Antwort und fuhr mir über die Schläfe, als habe sich da was Fremdes angesetzt.
An diesem Morgen hat Mutter noch unzählige bittere Miller in die Mittagssuppe eingerührt. An diesem Morgen drängten sich ganze Trupps von unverschämten, kugelrunden Spohrern durch die Zeilen meiner Arbeit.
Von da ab wuchs der Spohrer drohend in unsere Familie hinein. Gewisse weiche Stellen fingen an sich zu verknorpeln. Der Spohrer selber kam nicht mehr. Nur seinen Schatten warf er lang und länger.
„So, und jetzt muß ich zum Spohrer“, erklärte der Hansi immer wieder nach dem letzten Mittagessenbissen. Wir hätten’s ihm verbieten können, hätten wir uns nicht, hellgesichtig schweigend, eingestanden, daß verbotene Liebe üppiger ins Kraut schießt, als erlaubte. So begnügten wir uns, den Spohrer still zu hassen. Bis eines Tages Hansi sagte: „Der Spohrer ist ein gemeiner Kerl!“ Sofort spürten wir, wie wir dem Spohrer gut wurden: Doch ’n ordentlicher Kerl, der uns gab, was uns gehörte. Und wir hätten auf ein Haar vergessen, uns beim Hansi zu erkundigen, warum der Spohrer plötzlich ein gemeiner Kerl wäre.