Tja, er war nicht zu ändern. „Schade um ihn,“ sagten die gesetzten Leute, „er hat eine fixe Idee.“ Und sie behandelten ihn nachsichtig und blieben bei der ihren.
Bei einer politischen Versammlung kampelten sich die Gegner, daß es im Saale gellte. Dann trat eine kleine Erschöpfungspause ein. Ruhig kam aus einer Ecke eine Stimme: „Und worauf freuen wir uns jetzt?“ Gelächter. Sie bengsten in Max: „Laß dir’s nicht gefallen — sprich doch — Silentium für — ha, er spricht wirklich —“
„Meine Herren,“ sagte Max, „ich freue mich, daß Sie sich freuen.“ Das Gelächter wuchs, trotzdem einer sagte, ihm dünke, das sei das Gescheiteste gewesen, was die Versammlung bis jetzt ergeben habe. Aber niemand hörte darauf. Sie kampelten sich schon wieder, daß die Haare flogen.
Ein Osterausflug ward verregnet. Mißmutig saßen sie in einer Bauernstube. Max sah im Kreis herum. „Und worauf freuen wir uns jetzt?“ sagte er lächelnd und im inneren Taktmaß des draußen plätschernden Regens. Darob wurden einige wieder vergnügt. Ernst aber hob ein Professor an: „Junger Mann, alles zu seiner Zeit. Gereifte Einsicht muß verstehen, daß die Freude nicht am Platz ist, wenn die Gründe zur Verdrossenheit derart ausreichend sind, daß —“
„Gewiß,“ sagte Max, „aber worauf freuen wir uns jetzt?“
Darauf machte der Professor in seinem Wörterbuch der Psychologie einen neuen Eintrag: Unter Idioten der Freude versteht man...
Das war lieblos. Freundlicher drückten’s seine Freunde aus: „Max ist der reinste Freuden-Cato: Ceterum censeo...“
„Ja,“ ward ihnen beigepflichtet, „er rennt mit seinem Spruche gegen das Carthago alles Mißvergnügens an.“
„Ob sein Grundsatz aber standhält,“ zweifelte ein anderer, „wenn’s bei ihm selber um die Wurst geht?“