Er hat standgehalten. Die Bank, die sein Erspartes hatte, fiel. Als er’s erfuhr, zuckte er zusammen und ging an seine Arbeit, fest aber stumm. „Aha, nun hat es ihm sein Sprüchlein doch verschlagen“, sagte einer, der nicht wußte, daß sich ein Spruch auch einwärts wenden läßt.
Nur ein einzig Mal hat auch das Einwärtswenden fast versagt. Das war damals, als ihm einer seine Liebste stahl. Da sank sein Gleichmut, da hob sich ihm die Hand zum Schlage. Freilich, ohne zuzuschlagen. „Nein, nein,“ hat er gemurmelt, „Menschen können einem nicht gestohlen werden, sie stehlten sich denn selber.“ Einen Winter lang hat’s ihn herumgetrieben, bis er gepreßt und scheu zwar, aber dennoch hörbar wieder sagen konnte: „Und worauf freuen wir uns jetzt?“
Nun aber ist ein Spruch, der nie versagt, kein Spruch mehr, sondern ein Tyrann. Eines Tags verbeugte sich vor dem erschrocknen Max ein Riesenschatten: „Sie gestatten — bin der Weltkrieg — und erlaube mir, um Ihren Spruch zu bitten.“
„Meinen Spruch?“ stotterte der Max, „was wollen Sie damit?“
Der Weltkrieg machte eine halsabschneidende Bewegung.
Fuhr der Max auf: „Mit welchem Rechte —?“
„Tun Sie doch nicht so — bedenken Sie, wenn Sie, wie andre, statt des Spruchs, sich selbst zum Opfer —“
„Mich magst du nehmen — was liegt groß an mir — aber alles liegt an meinem Spruch.“
„Dummes Zeug — zuviel Federlesen mach’ ich schon — her mit dem Spruch!“ Roh griff er Max ins Herz. Aber heimlich war der Spruch daraus entwichen, flüsternd: „Verzage nicht, Max, auf Wiedersehn!“ Fort der Spruch, ihm nach der Krieg.
Reihum im Lande hat der Spruch sich auf die Flucht begeben, immer hart vom Krieg verfolgt und immer guten Muts. Kaum einer, den er nicht besucht hat, am liebsten die Verdrossenen und Schmerzgeschlagenen, die ihn am wenigsten erwarten. Ich habe ihn an Witwenherzen klopfen seh’n: „Mich schickt der Max.“