„Ein bißchen rasch, wenn ich bitten darf“, sagte der Beamte, dem ich meine Namensunterschrift abzugeben hatte.

Ich setzte zu seinem großen F an und stockte schon nach einem Zug: hm, setzte man den oberen F-haken nach links an oder nach rechts? Es kam mir vor, als hätte ich schon ebensoviele linkshakige als rechtshakige F gesehen. Welche waren recht? Meine Feder zitterte und machte schließlich einen Haken links und einen Haken rechts. Na, der Haken war erledigt, Gott sei Dank. Jetzt den F-Strich durch die Mitte. Wieder stockte ich: zum Donner, machte man jetzt noch den F-Strich, oder war der nicht laut letzter Ministerialverordnung amtlich abgeschafft? Da konnte man sich ja fürchterlich blamieren bei der eigenen Unterschrift. Schließlich machte meine Feder einen solch haardünnen F-Strich, daß er ebensogut mittels eines schemenhaften Traummeineids abgeleugnet hätte werden können. Jetzt der zweite Buchstabe. Ich machte einen i-Strich mit weniger Mühe, als ich gefürchtet hatte. Auf einmal spürte ich — sehen konnte ich ihn nicht — den höhnischen Blick des königlichen Beamten, der mir beim Schreiben zusah: macht dieser Mensch das i vor dem r!

„Entschuldigen Sie!“ sagte ich fahrig und versuchte, das i in ein r umzukorrigieren. Das war eine endlose Arbeit. Ich drückte meinen Zeigefinger ächzend durch vor Mühsamkeit. Davon bog sich auch der Federhalter. Mit einem durchgebogenen Federhalter zu schreiben, war erst recht eine Heidenarbeit. Der Schweiß brach mir aus, der geschlängelte Federhalter fing zwischen meinen Fingern zu rutschen an. Aber schließlich stand das r doch da. Es war freilich das sonderbarste r, das ich je geschrieben hatte. Aber immerhin, es war ein r.

Jetzt kommt t und z, dachte ich, und wurde aufs neue unsicher: kam zuerst das t, oder kam zuerst das z? Es schien mir im höchsten Grade fraglich. Aber da spürte ich wieder den höhnischen Blick im Nacken und wußte gerade noch rechtzeitig, daß weder das t noch das z kam, sondern das i, das i von vorhin.

Wieder glückte der i-Strich verhältnismäßig rasch. Ach so, fehlte noch der Punkt, der I-Punkt. Na, das ist doch das allereinfachste bei der ganzen Namensschreiberei, der gotteslästerlichen, dachte ich, und machte frischweg einen Punkt. Teufel, war er über’s r gekommen. Ich strich ihn durch und machte ihn ein zweites Mal. Donner, jetzt saß er überm F. Wieder durchgestrichen und gezielt, wie man auf einen Feind zielt, scharf, unerbittlich. Ha, jetzt saß er überm i-Strich. Whupp, kollerte er von seiner Höhe und trieb sich wie ein Billardball ruhelos zwischen den Grund- und Haarstrichen der drei Buchstaben herum. Ich lief ihm nach, ich fing an ihn anzuflehen:

„I-Punkt, lieber i-Punkt, laß dich doch erwischen, laß dich doch ein einziges Mal erwischen.“

I-Punkte scheinen auch im Traume nicht ganz unbarmherzig zu sein. Denn er ließ sich wirklich erwischen, und ich hielt ihn mit beiden Händen über den i-Strich fest. Aber schon fing er wieder zwischen den Händen zu surren an. Gleich würde ich ihn nicht mehr halten können... Es war ein gräßlicher Traum. Ich wachte ärgerlich und schweißgebadet auf.

Wieder folgte ein glockenheller Tag ohne den geringsten Ärger. Wieder kam die Nacht. Ich schob den Schlaf so lang als möglich auf, mit Lesen, mit Summen, mit Liedersingen suchte ich mich im Bette wach zu halten. Aber da schlief ich doch.

Da packte mich schon einer freundschaftlich-dringend am Ärmel: