Die übrigen Herrn des Offizierkorps aber, besonders die älteren, fanden es gefühllos, daß Kolberg nach diesem traurigen Ereignis es nicht lieber vorzog, allein zu sein und über seine Handlungsweise nachzudenken; diese Feier vollends fanden sie roh und gemein.

Zwei Tage später traf auch die Urteilsbestätigung aus Berlin ein. Da das Wiedereinstellungsgesuch genehmigt war, wurde Kolberg nach einer anderen Garnison versetzt, denn hier konnte seines Bleibens nicht länger sein. Bevor er aber die Reise nach der schönen Stadt am Rhein antrat, führte ihn sein Weg zunächst auf Festung, woselbst er eine mehrmonatige Strafe »wegen Beteiligung an einem Zweikampf mit tötlichen Waffen« zu verbüßen hatte.

Der Major erholte sich nur langsam. Den beiden Stabsärzten, welche die neben der Wirbelsäule haftende Kugel entfernen wollten, war die Operation nicht ganz geglückt, die Kugel war zwar entfernt, aber es trat eine Entzündung der geöffneten Stelle ein, welche mit heftigen Schmerzen und hohen Fiebererscheinungen verbunden war.

Erst Ende Winters konnte der Major aus dem Lazaret entlassen werden, um dann als geistig und körperlich gebrochener Mann auch aus dem königlichen Dienste auszuscheiden, dessen Anstrengungen er nicht mehr gewachsen war.

Auch ihn hatte man zu einer dreimonatigen Festungshaft verurteilt, doch erfolgte schon nach zwei Tagen Begnadigung, denn den Bestimmungen des Gesetzes war Genüge getan.

So sah denn Kahle seine Lebensarbeit vernichtet. Er stand in den besten Jahren als kranker Mann vor der Frage, sich nach einem anderen Felde der Tätigkeit umzusehen, denn leben mußte er, und die schmale Pension reichte nicht aus, um ihm und seinem Sohne ein sorgenfreies Dasein zu ermöglichen.

Das gesamte Vermögen war durch die Scheidung wieder seiner Gattin zugefallen, denn sie hatte es mit in die Ehe gebracht.

Und warum geschah das alles? Weil er die »Ehre« seiner Gattin retten sollte! Ihr hatte er sich opfern müssen. —

Wie sehr Frau Kahle dieses Opfer wert gewesen, wurde dem Major erst vollends klar, als er hörte, seine ehemalige Gattin habe bei einem jungen Baron in Berlin die »Führung des Haushaltes« übernommen.

Kolberg aber saß längst am schönen Rhein und freute sich seines Lebens. —