[Fünftes Kapitel.]
In seiner eleganten Wohnung saß Oberleutnant Borgert am Schreibtisch.
Vor ihm lag ein mit Zahlen bedeckter Bogen, um ihn herum ganze Berge von Papieren, Zetteln und farbigen Kouverts.
Er ergriff ein Blatt nach dem anderen und notierte die darauf befindliche Zahl auf den vor ihm liegenden Bogen und er hatte schon die dritte Zahlenspalte begonnen, als er plötzlich innehielt und den Bleistift heftig auf die Tischplatte warf. Die Papiere packte er wie einen Haufen Unrat und steckte sie ins Feuer, wo sie sogleich in lodernden Flammen aufgingen und nach wenigen Augenblicken nur noch in ihrer kohlenden Asche knisterten.
Er hatte den löblichen Vorsatz gehabt, einmal alle Rechnungen, soweit er sie seiner sonstigen Gewohnheit entsprechend nicht einfach ungeöffnet in den Ofen gesteckt, zusammenzuzählen, um einen ungefähren Begriff von Höhe und Umfang seiner Schulden zu gewinnen.
Aber es war nicht möglich, sich durchzufinden durch die endlose Menge von Tret- und Mahnbriefen, Klageschriften, Zahlungsbefehlen und Rechnungen. Soviel aber war ihm klar geworden: an eine Deckung der Schulden war nicht zu denken, denn die Höhe überstieg seine Vermutungen ganz bedeutend. Nicht weniger als elftausend Mark hatte er schon zusammengerechnet und dazu kam noch dieser Berg Rechnungen, die er eben in die Flammen geworfen.
Am meisten drückten ihn die siebenhundert Mark, die er dem Rittmeister König noch schuldete, aber auch einige andere Posten drückten ihn schwer, denn es waren Ehrenschulden und die erste mit 2300 Mark in kaum sechs Wochen fällig. Wo sollte er die herbekommen, ohne zu stehlen? —