Er begann zu überlegen. Die Möbel waren schon verpfändet, ein Pferd sogar schon zweimal, und auf das andere, seinen früheren Charger, würde er kaum noch dreihundert Mark bekommen, und das war nicht mehr wie ein Tropfen auf einen heißen Stein. Unter den Kameraden war keiner mehr, bei dem ein Pumpversuch Aussicht auf Erfolg geboten hätte, höchstens König. Aber dem schon wieder mit einer solchen Bitte kommen? Das ging nicht gut, erst mußten wenigstens die 700 Mark zurückbezahlt sein. Der einzige Rettungsanker war ein Darlehnsgesuch bei einem Berliner Dunkelmann, aber der Kerl ließ nichts von sich hören, obgleich er nun schon drei Wochen im Besitze einer Bürgschaft des Oberleutnants Leimann und einer Lebensversicherungspolice über 20000 Mark war.

Vorläufig half es eben nichts. Er wollte die künftig drängenden Gläubiger zu beruhigen suchen und nur denen, wenn möglich, etwas abbezahlen, welche entweder klagbar oder beim Regiment vorstellig wurden. Vielleicht fand sich mit der Zeit noch eine gute Quelle, ein glückliches Spielchen, ein großes Los oder sogar eine reiche Braut.

Diese Hoffnung ließ ihn seine gute Laune wieder gewinnen, er zündete sich eine Zigarette an und pfiff ein Liedchen vor sich hin, während er auf den schweren Teppichen auf- und abschritt.

Ein Geräusch auf dem Korridor ließ ihn aufhorchen. Er vernahm ein Stimmengeflüster und einige Tritte auf dem Flurteppich, dann klopfte es leise an die Tür.

Das ist gewiß Frau Leimann, dachte er bei sich, denn sie pflegte die Theestunde häufig bei ihrem Galan zu verbringen, weil dann der Gatte zum Dämmerschoppen ging.

Auf sein »Herein« aber trat eine einfach gekleidete Frau mit einem Korb unter dem Arm über die Schwelle. Ihrem noch jugendlichen Gesicht hatten Kummer und Sorgen den Stempel frühzeitigen Alters aufgedrückt, und sie schaute mit fast ängstlichem Blick auf den Oberleutnant, der im Zimmer stehen geblieben war und die Eintretende mit unverhohlenem Mißfallen betrachtete.

»Was wollen Sie schon wieder, Frau Meyer?« polterte Borgert sie an, »ich habe Ihnen gesagt, daß ich Ihnen keine Wäsche mehr gebe!«

»Entschuldigen Herr Oberleutnant, ich wollte fragen, ob Sie mir vielleicht heute die vierzig Mark geben können oder wenigstens einen Teil. Ich muß Geld haben, mein Mann liegt seit drei Wochen krank und kann nicht schaffen gehen!«

»Mit Ihrer ewigen Drängerei!« entgegnete Borgert schroff. »Kommen Sie heute abend wieder, ich muß erst wechseln lassen, jetzt habe ich keine Zeit.«

»Aber halten Sie diesmal Wort, Herr Oberleutnant, Sie haben mir nun schon so oft das Geld versprochen.«