Kolberg's niedergedrückte Stimmung hielt nicht lange vor. Als er sich mit Borgert am Anfang der Stadt von den beiden Insassen des Wagens verabschiedet hatte, schlug ihm sein Begleiter auf die Schulter und sagte ermunternd:

»Machen Sie doch nicht so ein Gesicht, Menschenskind! Seien Sie froh, daß Sie mit heiler Haut davon gekommen sind! Daß Sie den armen Teufel gerade in die Brust getroffen haben, ist ja Pech, aber dafür können Sie nichts, denn er ist es ja, der Sie gefordert hat, nicht Sie ihn. Wir wollen jetzt frühstücken gehen, mir knurrt der Magen, ich bin nicht gewohnt, so früh am Morgen im Walde herumzustolpern.«

»Es tut mir leid, daß ich den Major so unglücklich getroffen habe, aber das wollte ich nicht,« erwiderte Kolberg mit ernster Stimme, »der Teufel soll die Weiber holen, die sind an allem schuld! Was mußte ich mich auch mit dieser Kahle einlassen!«

»Zerbrechen Sie sich darüber nicht den Kopf, mein Lieber! Der Major ist selbst an allem schuld, denn er mußte seiner schönen Gattin besser auf die Finger sehen, dann wäre sie keine Dirne geworden. Heute hat sie den, morgen den, also haben Sie kein Verbrechen begangen, wenn Sie sich auch einmal mit ihr amüsiert haben. Man muß die Weiber behandeln, wie sie es verdienen.«

Dem redegewandten Borgert gelang es allmählich, Kolbergs finstere Miene aufzuhellen, denn was er da sagte, leuchtete ihm ein, die herzlose Gemeinheit, die aus den Worten seines Begleiters sprach, fühlte er nicht heraus, da er selbst nicht besser war.

So gingen denn die Beiden zu ihrem Hotel, zogen Zivil an und begaben sich in ein Frühstückslokal, in welchem die Kellner mit verschlafenen Augen gerade die Stühle von den Tischen nahmen und die frühen Gäste voll Verwunderung betrachteten.

Mit einem Kognak fing es an, und mit Sekt endete es am späten Abend in einem Lokal mit Damenbedienung. Wer da die Leutnants in Zivil mit den frechen Kellnerinnen schäkern sah, konnte nicht im Unklaren darüber sein, daß sie die Ereignisse des Morgens überwunden und mit dem seelischen Gleichgewicht die gute Laune des gewissenlosen Menschen zurückerlangt hatten. —

Mit Jubel empfing man die beiden Helden des Kampfes in der Garnison, wo sie am Mittag des folgenden Tages eintrafen.

Eine Anzahl Herren standen auf dem Bahnhof zum Empfang bereit und begleiteten Kolberg nach seiner Wohnung, um den guten Erfolg mit einem Trunk zu feiern.