Beide Herren hielten die Pistole zu Boden gesenkt, um sie auf »Eins« gegeneinander zu erheben.

Gleichzeitig mit »Zwei« knallte Kahle's Schuß, und die Kugel schlug klatschend in die Rinde einer Buche, von der ein dürrer Zweig geräuschvoll zu Boden fiel. Durch die unruhig zitternde Hand war der Schuß fast einen Meter über Kolberg's Kopf hinweggegangen.

Dieser aber stand fest und unbeweglich und zielte bis zum letzten Augenblick, sodaß mit »Drei« auch der Hahn seiner Pistole niederschlug.

Kahle sah festen Blickes auf die kleine schwarze Mündung der Pistole seines Gegners, nach dem Schuß aber öffneten sich seine Augen weit, er taumelte und stürzte zu Boden.

Kolberg lief es kalt über den Rücken, als er den großen, starken Mann nach rückwärts fallen sah und er blieb wie gelähmt einen Augenblick stehen; dabei entfiel die Waffe seiner Hand.

Die übrigen Herren aber waren sofort neben dem Major, und die Ärzte rissen ihm den Rock auf.

Mitten auf der Brust sickerte ein starker Blutstrom aus einer kleinen Wunde.

Kahle hatte die Besinnung nur für einen Augenblick verloren. Er lag jetzt da, bleich und mit festem Blick auf die Herren in seiner Umgebung schauend. Und als Kolberg auch herantrat, dem Major die Hand entgegenstreckend, taumelte er wie von einem Schlage getroffen zurück, als ein kalter, abweisender Blick aus Kahle's gläsernen Augen ihn traf. Einen Augenblick stand er neben seinem Opfer, dann wandte er sich um und schritt in den Wald hinein, dem Ausgange zu.

Die Verwundung des Majors stellte sich als nicht lebensgefährlich heraus, doch hatte die Kugel die Lunge leicht verletzt, und es mußte lange dauern, bis der Kranke wieder genesen war.

Ein Wagen wurde herbeigeholt und der Major sorgfältig hineingehoben, die beiden Ärzte stiegen ebenfalls ein, der Sekundant nahm neben dem Kutscher Platz, und darauf ging es im Schritt nach der Stadt zurück, wo man den Verletzten sofort in's Lazaret zu bringen gedachte.