So zündete er denn eine Lampe an und ging nach dem Briefkasten, um zu sehen, ob mit der Abendpost etwas gekommen sei. Er fand zwei Briefe vor, Rechnungen, zusammen über sechshundert Mark.
Er brummte etwas vor sich hin und schloß die beiden »Wische« in seinen Schreibtisch ein.
Da gewahrte er ein großes gelbes Kouvert. Er hielt es für einen Dienstbrief und griff danach, um es mechanisch zu öffnen. Aber es war bereits geöffnet und seine Neugierde wuchs, als er drei große Bogen herauszog.
Mit stieren Augen schaute er in die Schreibmaschinenschrift, dann ließ er sich am Tisch nieder und las das ganze Schriftstück von Anfang bis zu Ende durch.
Also seine Frau auch? Das war ja eine reizende Überraschung! Wenn es mit ihrer eigenen Kasse so im Argen lag, dann war wohl von der Schwiegermutter nichts mehr zu erwarten, und mit dieser hatte er immer noch gerechnet. Wütend schleuderte er die Klageschrift in die Ecke und ging sinnend im Zimmer auf und ab.
Seine Gattin mochte wohl den Schritt ihres Mannes durch die Decke hindurch vernommen haben, denn sie trat jetzt mit glühenden Wangen ein.
»Entschuldige, Max,« sagte sie außer Atem, »ich hatte noch nötig bei der Schneiderin zu tun, ich bin furchtbar gelaufen, ich sah dich vor mir hergehen, konnte dich aber nicht mehr einholen.«
»Was hast du wieder mit der Schneiderin zu tun?« herrschte Leimann sie an.
»Was soll ich anders da zu tun haben, als wozu sie da ist? Sie macht mir ein Reitkleid!«