Sie ging hinaus, betrat ihr Schlafzimmer und legte sich zu Bett. Müde war sie aber noch gar nicht. Sie griff daher nach einem auf dem Nachttisch liegenden Buch und begann zu lesen.
Gerade darunter lag Borgert auch in seinem Bett und las ebenfalls.
Aber seine Gedanken waren nicht recht bei der Sache, es ging ihm doch etwas im Kopf herum, daß es ihn jetzt von allen Seiten packte. Denn wenn da noch viel hinzu kam, würde der Oberst eines Tages die sofortige Bezahlung aller Schulden verlangen, und, wenn er das nicht leisten konnte, ihn auffordern, seinen Abschied einzureichen. Das aber war eine faule Sache, denn was nun anfangen ohne einen Pfennig Geld, mit wenig oder gar keinen Kenntnissen und vielen Ansprüchen? Es mußte energisch etwas getan werden, und er wollte den nächsten Tag, einen Sonntag, dazu benutzen, noch einmal alle Möglichkeiten einer größeren Anleihe durchzugehen.
Getröstet in der Hoffnung, daß sich doch noch irgend eine milde Hand auftun würde, schlief er ein, das Buch entfiel seinen Händen und die Lampe auf dem Nachttisch verlosch nach Mitternacht von selbst, da Borgert vergessen hatte, sie auszublasen.
Als er am nächsten Morgen erwachte, war es schon zehn Uhr vorbei.
Borgert wurde wütend. Der halbe Tag war nun wieder zum Teufel und er hatte sich doch so viel vorgenommen! Hatte dieser Esel von Bursche ihn nicht geweckt? Dabei schmerzte ihn der Kopf und er fühlte sich matt und zerschlagen. Notdürftig angekleidet ging er zum Burschenzimmer und fand Röse einen Brief schreibend. Er fuhr auf, als der Oberleutnant eintrat.
»Warum hast du mich nicht geweckt, du Vieh?« donnerte er den Erschrockenen an.
»Ich habe Herrn Oberleutnant um sieben Uhr geweckt, aber Herr Oberleutnant wollte noch schlafen und sagte, ich brauchte nicht mehr zu kommen!«
»Das lügst du, du Schwein, ich will dich lehren, zu tun, was ich dir sage.« Dabei ergriff Borgert ein auf dem Bett liegendes Säbelkoppel und schlug damit heftig auf Röse ein.