Borgert blieb auch nicht mehr lange in seiner Wohnung. Er ging in's Kasino und ertränkte seine schlechte Laune in einer Flasche Heidsieck.
Als Borgert wenige Tage später des Morgens erwachte, merkte er zu seinem Schrecken, daß er wieder den Dienst verschlafen hatte. Er klingelte heftig nach dem Burschen, aber Röse erschien auch auf ein zweites Glockenzeichen nicht.
Borgert kleidete sich an und ging nach Röse's Stube. Er fand sie leer. Das Bett stand unberührt, darauf lag Uniform und Mütze des Burschen.
Erstaunt schaute er sich in dem kleinen Raume um, den eine stickige, dumpfe Luft, ein Geruch nach schmutziger Wäsche und abgetragenen Kleidern erfüllte. Wo sollte Röse so früh schon hingegangen sein, ohne ein Wort zu sagen? Hatte er Dienst? Aber nein, da lag ja seine Montur.
Borgert stand schon auf der Schwelle, um das Zimmer wieder zu verlassen, als er auf dem schmutzigen Tisch einen Zettel gewahrte. Er nahm ihn auf und sein Gesicht erblaßte, während er ihn las, denn er enthielt in ungelenker Schrift nur die Worte: »Ich empfehle mich bestens!«
Wie versteinert schaute Borgert auf das Blatt. Der Kerl war also desertiert!
Über den Grund konnte Borgert keinen Moment im Unklaren bleiben, und ein plötzliches Unbehagen erfaßte ihn bei dem Gedanken, man könne Röse aufgreifen. Dann würde alles zu Tage kommen, die schlechte Behandlung, die Mißhandlungen und so vieles, was Röse mit angesehen oder über seinen Oberleutnant erfahren hatte.
Wie geistesabwesend schritt er nach seinem Zimmer hinüber und setzte sich auf die Bettkante.