Matt und mit wirrem Kopfe legte sich Borgert auf den Divan nieder.
In's Kasino mochte er nicht gehen, denn er verspürte keinen Appetit und fühlte sich auch nicht in Stimmung, mit den Kameraden in gewohnter Weise zu scherzen und zu plaudern. Er mochte niemand sehen und hören, nur allein sein wollte er, ganz allein.
Sein Blick schweifte in dem eleganten Raum umher. Und als er so die schönen Bilder an den Wänden, die kostbaren eichenen Möbel und wertvollen Teppiche betrachtete, da schmerzte es ihn doch, daß all diese Pracht und Herrlichkeit nun ein Raub der Manichäer werden sollte. Sie würden sich zanken und streiten um den Besitz, ein jeder würde der erste sein wollen, wenn es galt, zu seinem Rechte zu gelangen.
Aber es half nichts. In wenigen Tagen mußte der Zusammenbruch erfolgen, eine Rettung war ausgeschlossen.
Doch was sollte dann aus ihm selbst werden? Daran hatte er noch gar nicht so recht gedacht. Sollte er sich jeden Stuhl unter dem Rücken hervorziehen und auf die Straße setzen lassen? Schließlich sperrte man ihn vielleicht noch ein? Die Zeit drängte, ein Entschluß mußte schnell, sofort gefaßt werden.
Eigentlich wußte er nicht recht, was er überhaupt in diesem elenden Sorgenleben noch zu suchen habe. Denn jetzt mit Schimpf und Schande abgehen, einen neuen Beruf erlernen und arbeiten müssen, das war gar nicht sein Geschmack. Verwöhnt und anspruchsvoll sich in eine einfache Lebensweise, eine bescheidene, vielleicht sogar untergeordnete Stellung hineinzuzwängen, das war ein fast unmögliches Ding. Dazu gehörte Energie, Selbstverleugnung und Arbeitslust, von alledem aber fühlte er nichts in sich. Sollte er sich einfach eine Kugel durch den Kopf schießen?
Aber nein, das war abgeschmackt, erforderte auch Mut, und den hatte er nur besessen, wenn er nichts riskiren konnte.
Und schließlich, wer sollte wissen, ob er nicht doch noch einmal das Glück zu fassen bekäme? Dann wäre Selbstmord eine übereilte Torheit gewesen. Das Leben konnte so schön sein, und nun kurzer Hand ein Ende damit machen? Nein, auf keinen Fall.
Lange grübelte er hin und her, es wollte ihm kein rechter Gedanke kommen.
Er dachte an seinen Burschen. Hatte der es nicht ganz schlau angefangen, um sich den Verhältnissen zu entziehen, die ihm nicht paßten? Der saß jetzt vielleicht ruhig und ungestört in einem stillen Winkel, wo es niemand einfiel, nach ihm zu fragen, wo er leben konnte, wo er lustig war.