Am Harmonium hatte Rittermeister König Platz genommen, während seine Gattin die Klavierbegleitung übernahm. Landrat von Konradi und Oberleutnant Leimann standen mit den Geigen bereit, Leutnant Bleibtreu hatte sich, das Cello zwischen den Knieen, im Hintergrunde niedergelassen. Die Zuhörer saßen erwartungsvoll in den kleinen und großen Sesseln, am Kamin, und um den mit Biergläsern besetzten Tisch herum.

Das Spiel begann, ein Trio von Reinhardt. Es klang gut, denn alle hatten ihre Partie fleißig geübt, und so machte der Vortrag einen angenehmen Eindruck. Nur der Landrat wiegte sich bei jedem Bogenstreich von einem Fuß auf den anderen und begleitete sein Spiel mit einem störenden Schnaufen. Auch Leimann gehörte zu den Musikern, welche man bei Ausübung ihrer Kunst nicht ansehen darf, um sich den Genuß nicht zu verderben, denn sein Kopf war jetzt ganz zwischen die Schultern gerutscht und seine noch mehr gebeugte Figur bot von hinten kein sehr harmonisches Bild. Der Cellist griff manchmal daneben, spielte dann aber die folgenden Töne um so kräftiger, damit man hören konnte, wie er sein Instrument beherrschte. — Dem Trio folgte je ein Solostück der beiden Geiger, sowie eine von Ehepaar König mit guter Technik und warmer Empfindung vorgetragene Rhapsodie von Liszt. — Zum Schluß waren alle des Lobes voll und jeder suchte durch ein kunstgerechtes Urteil sein Musikverständnis zu bekunden.

»Ach, mein lieber Leutnant Bleibtreu,« rief Frau Stark dazwischen, »Sie müssen mir auch Cellounterricht geben, ich spielte das Instrument in meiner Jugend, aber in der langen Zeit habe ich es ganz verlernt.«

Daß seit ihrer Jugend eine lange Zeit vergangen, wurde von keiner Seite bezweifelt, und König flüsterte Bleibtreu zu, sie könne mit ihren dicken Fingern einen einzelnen Ton ja gar nicht greifen.

Borgert war während des Spiels in den Durchgang zum Nebenzimmer getreten und schaute mit gelangweilter Miene den Gästen zu. Manchmal warf er einen forschenden Blick auf Frau Leimann, welche mit träumerischen, halb geschlossenen Augen weit in einem bequemen Sessel zurückgelehnt saß.

Die Spieler hatten jetzt auch am Tische Platz genommen, und die Unterhaltung begann von neuem über gleichgültige Tagesfragen, wobei Frau von Kronau den Löwenanteil nahm, denn ihr Mundwerk stand selten einen Augenblick still.

So verging rasch die Zeit, und als die Kaminuhr ½11 zeigte, schaute der Oberst verständnisinnig nach seiner Ehehälfte, welche sich darauf mit einem leichten Kopfnicken erhob und zur Frau des Hauses wandte.

»Liebe Frau König, es war reizend von Ihnen, uns den Genuß des heutigen Abends zu verschaffen, es ist aber so spät geworden, daß wir uns verabschieden müssen. Nochmals vielen Dank!« Dabei reichte sie ihr die Hand und schüttelte sie kräftig.

»Wollen Sie denn wirklich schon gehen? Es ist ja noch nicht einmal 11 Uhr. Einen Augenblick können Sie doch noch bleiben!«