Als Frau König aber sah, wie auch der Oberst, Familie Stark und der Landrat von den übrigen Gästen Abschied nahmen, gab sie alle weiteren Überredungskünste auf, im Grunde ihres Herzens nicht unzufrieden, jetzt nur noch einen kleinen Kreis um sich zu behalten, bei welchem man nicht jedes Wort auf die Goldwage legen und fürchten zu müssen glaubte, der Oberst könne irgend etwas unpassend finden und am nächsten Tage zum Gegenstand einer dienstlichen Besprechung machen. Denn darin leistete er Märchenhaftes.

Nachdem die Herrschaften das Haus verlassen, rückten die Zurückgebliebenen ihre Stühle näher zusammen und ein frisches Glas Bier wurde gereicht.

Das anfängliche Schweigen ward durch Borgert unterbrochen.

»Haben Sie gesehen, wie diese Stark mit dem Oberst wieder geflüstert hat? Diese Manieren sollten sie doch zu Hause lassen, denn da scheint man ja nicht sonderlich penibel zu sein. Denken Sie, neulich stand ich dabei, wie Stark mit dem Pantoffel nach seiner Gattin warf, welche mich in einem schmutzigen Morgenrock empfangen hatte.« —

»Das ist noch gar nichts,« rief Leimann dazwischen, »als sie kürzlich in meiner Gegenwart wieder einen Krakehl miteinander hatten, brachte der Dicke seine Frau einfach mit den Worten: »Halt's Maul!« zum Schweigen.«

»Es scheint überhaupt dort manchmal nicht ganz friedlich zuzugehen,« entgegnete der Adjutant.

»Vorgestern hatte sich Stark im »Weißen Schwan« etwas festgetrunken, und als er so ziemlich blau war, kam seine Frau, machte ihm eine Szene und nahm ihn unter dem Gelächter der übrigen Gäste mit nach Hause. Dort werden sie sich nachher wohl nicht gerade geküßt haben.«

»Das kommt übrigens öfter vor, sie holt ihn sogar aus dem Kasino zum Essen und nennt ihn vor den Ordonnanzen einen Lüdrian,« warf ein anderer ein.

»Nun ja,« sagte König, »sie paßt eben auf ihren Mann gut auf, denn er will jetzt Major werden, oder besser gesagt, sie Majorin.«

»Aber das ist ja ganz ausgeschlossen,« rief Borgert entrüstet, »wenn dieser unfähige Patron Major wird, dann werde ich General. Es scheint ja allerdings, als ob der Oberst alles für ihn aufböte!«