»Dafür hat er seinen Grund!« entgegnete Leimann bedächtig.
»Wieso?«
»Kennen Sie denn die Geschichte nicht? Die Spatzen pfeifen sie schon von den Dächern.«
»Nein, erzählen Sie, das ist ja rasend interessant!« Dabei rieb sich Borgert vergnügt die Hände und rückte etwas näher zu seinem Freunde heran.
»Voriges Jahr hatte der Oberst bekanntlich durch eine seiner berühmten Taktlosigkeiten einen Herrn vom Civil beleidigt. Dieser schickte ihm eine Forderung. Da wurde es dem guten Oberst doch etwas flau zu Mute, denn mit dem Munde ist er stets voran, hat er aber etwas zu riskieren, dann sitzt ihm das Herz in der Hose. Da ging seine Freundin, diese Stark, zu jenem Herrn hin und sagte, sie sei an der ihm zugefügten Kränkung schuld, indem sie eine unwahre Behauptung ausgesprochen habe. Sie hat dem Oberst also das Leben gerettet, denn der andere ist als unfehlbarer Schütze bekannt wie ein bunter Hund. Darum hat sie ihn jetzt ganz in der Tasche, und wenn sie ihm etwas befiehlt, gehorcht er wie ein Stubenhund. Was dabei herauskommt, sehen Sie ja alle Tage.«
»Aber das ist ja großartig,« rief triumphierend Borgert, »wissen Sie noch so Geschichtchen? Es ist überhaupt längst Zeit, daß man diese beiden aufgeblasenen Personen abhalftert. Er hat Manieren wie ein Bursche und sie wie eine Waschfrau, ich werde einmal herumhorchen und Material sammeln. Es ist eine Schande, daß man sich dieses Weib gefallen lassen muß.«
»Sie soll ja früher auch sonderbare Beziehungen zu einem adligen Herrn gehabt haben, man munkelt so etwas!«
»Von wem wissen Sie denn das wieder?«
»Mein Bursche hat es mir neulich erzählt, der ist aus ihrer Heimat.«