Zu diesen Menschen zählte auch Borgert. Dem Egoisten heiligt der Zweck die Mittel, und so schied er wohlgemut, voll innerer Genugtuung von der Garnison, den »Freunden« und seinen Pflichten, mit einem verächtlichen Lächeln auf den Lippen über die, welche in der Beschränktheit ihres Geistes festhalten an Sitte und Hergebrachtem, und nicht den Mut haben, die Rücksicht auf andere über Bord zu werfen, wenn sie ihrem eigenen Vorteil auf der Spur sind.

Als die beiden am späten Abend in dem Speisesaal eines eleganten Hotels zusammen saßen, schien ihnen das Leben, die ganze Zukunft ein lichtes Bild mit wenig Schatten, und sie feierten bei einer Flasche französischen Sektes den ersten Tag ihrer jungen Ehe — der freien Liebe.

[Sechstes Kapitel.]

Die Flucht des Oberleutnants Borgert war nicht lange geheim geblieben.

Als er nach Ablauf des dreitägigen Urlaubs nicht zurückgekehrt war, und eine telegraphische Anfrage bei seinem Vater ergab, daß er das Elternhaus überhaupt nicht betreten habe, lag die Vermutung nahe, daß er sich durch Desertieren den Folgen seines bisherigen leichtsinnigen Lebens entzogen.

Freilich hatte außer Leimann niemand recht gewußt, wie schlecht es mit Borgert's Verhältnissen stand. Erst als der Jude die ihm verkauften Sachen abholen und der mit einer umfangreichen neuen Pfändung beauftragte Gerichtsvollzieher die bereits von ihm beschlagnahmten Gegenstände zurückhalten wollte, kam die Katastrophe und enthüllte mit einem Schlage das gesamte System, in welchem Borgert »gearbeitet« hatte.

Von Seiten des Gerichts ward das gesamte Eigentum des Oberleutnants mit Beschlag belegt, und ein Termin sollte entscheiden, in welcher Weise die einzelnen Gläubiger zu ihrem Rechte gelangen würden.

Stellte auch die wertvolle Einrichtung ein ziemliches Kapital dar, so war dieses doch nur der Tropfen auf einen heißen Stein, denn als von Gerichtswegen eine Aufforderung durch die Zeitung an alle diejenigen erging, welche noch Forderungen nachweisen konnten, gingen ganze Berge von Rechnungen ein, deren Gesamtbetrag sich über zwanzigtausend Mark belief.