Gleichzeitig verhängte der Gerichtsherr die Beschlagnahme des gesamten etwaigen Privatvermögens Borgert's, und die Staatsanwaltschaft folgte mit einem Steckbrief gegen den des Betrugs angeschuldigten Oberleutnant.
Die Wohnung hatte das Gericht versiegelt, selbst das arme Pferd im Stalle trug in der Mähne ein kleines Siegel, welches man mit einem Bindfaden kunstgerecht hineingeflochten hatte.
Wie ein Lauffeuer eilte die Kunde der neuesten Ereignisse durch die kleine Stadt und die Nachbarorte, auch in den Zeitungen las man kurze Notizen.
Der Oberst war ganz niedergeschlagen. Die schlauen Herren des Regiments wollten zwar diese Katastrophe schon lange haben kommen sehen — wie es ja bei allen Ereignissen Leute gibt, die ahnungslos ein Unheil neben sich erstehen sehen und dann, wenn das Unvermeidliche eingetreten, mit überlegenem Lächeln behaupten, sie hätten seit Jahren nichts anderes erwartet.
Der Oberst aber äußerte tieftraurig zu Rittmeister König, diese neue Wendung der Dinge sei der »letzte Nagel zu seinem Zylinder,« und man sah ihn fortan nur noch mit bekümmerter Miene seinen Geschäften nachgehen. Denn allmählich sah er klar, daß die sachgemäße Leitung eines Offizierkorps etwas anders angefangen werden müsse, und daß die Art seiner Regierung wohl den falschen Weg gewandert sei.
Daß Frau Leimann dem Oberleutnant gefolgt war, wurde erst nach einigen Tagen bekannt, als der von Berlin zurückgekehrte Gatte einen Brief erhielt, in welchem die Frau ihn um Verzeihung bat und beteuerte, sie habe nicht anders gekonnt.
So war denn Leimann doppelt gestraft. Vor aller Welt blamiert und belächelt ob seiner durchgegangenen Ehehälfte, mußte er jetzt schleunigst den größten Teil seines Besitztums verkaufen, um den Forderungen derer gerecht zu werden, bei welchen er für Borgert Bürgschaft geleistet, und dabei blieb ihm nur das Nötigste übrig.
Glaubte man anfangs durch Frau Leimann's Brief den Entflohenen auf der Spur zu sein, so war doch später das zahlreiche Aufgebot von Detektivs und Kriminalbeamten nicht im Stande, die Ausreißer zu fassen. Waren sie noch in Deutschland, oder im Auslande? Kein Mensch ahnte es.
Etwa zwei Wochen nach der Flucht wurde auch Röse eingeliefert. Man hatte ihn auf den erlassenen Steckbrief hin an der belgischen Grenze ergriffen.
Die Verhandlungen mit ihm ergaben, daß häufige Mißhandlungen seitens seines Oberleutnants die Triebfeder zu jenem Schritte gewesen waren. Milderte dies sein Strafmaß auch nur wenig, so bedauerte man doch allgemein den armen Soldaten, den Unbilden und schlechte Behandlung seiner Vorgesetzten ins Unglück gestürzt hatten. —