»Gewiß, Sie haben recht! Aber ich sagte Ihnen schon, daß ich jegliche Lust an meinem Berufe verloren habe.
Fünfzehn Jahre habe ich gearbeitet und gestrebt. Ich habe meine Pflicht stets zur Zufriedenheit der Vorgesetzten getan und manche Auszeichnung erfahren. Jetzt aber bin ich lahm gelegt und sofort tritt ein anderer an meine Stelle. Nach den Früchten meiner bisherigen Tätigkeit fragt kein Mensch, die Maschine bleibt im Gange, als hätte ich nie existiert. Und wenn man so gar keinen nachhaltigen Erfolg aus seiner Lebensarbeit sieht, das ist so niederdrückend, so beschämend! Der tüchtige Arzt, der Kaufmann, der Jurist wird vermißt, wenn er aus seinem Wirkungskreise scheidet, nach uns aber fragt niemand, wenn man nicht gerade ein großer Feldherr gewesen ist. Niemals könnte ich wieder mit innerer Lust und Aufopferung meinen Dienst versehen, und deshalb gehe ich lieber.«
Das Ehrengericht des Regiments hatte auf eine »Verwarnung« erkannt, »wegen Gefährdung der Standesehre«. Als Erklärung wurde hinzugefügt, daß der Offizier sich nicht in die Gefahr begeben dürfe, seitens der Welt falsch beurteilt zu werden. Da dies im vorliegenden Falle aber geschehen sei, müsse man dem Rittmeister König seine Handlungsweise als inkorrekt und nachteilig für seine Ehre als Offizier vor Augen führen.
König las das Dienstschreiben mit spöttischem Lächeln, und am selben Abend lag sein Abschiedsgesuch beim Regiment.
Wenige Wochen vorher hatte auch der Oberst ein Schreiben erhalten, aber von »oben«, und es steckte in einem blauen Umschlag.
Er war darin bedeutet worden, daß man zwar seine trefflichen Verdienste anerkenne und zu würdigen wisse, nun aber für dieselben keine Verwendung mehr habe.
»Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt.« Man nahm daher keinen Anstand, dem Oberst seine Wünsche zu erfüllen, als er um seinen Abschied bat, da er die Beschwerden des Königlichen Dienstes nicht mehr auszuhalten vermöge.