Um die Ecke nach einer schlecht erleuchteten Seitenstraße bog ein elegantes Paar und nahm seinen Weg auf dem von Papieren und Unrat aller Art bedeckten Fahrdamm, hindurch zwischen den zahllosen Wagen und Karren der Verkäufer.
Vor einem einfachen Hause machten sie Halt und stiegen die ausgetretenen Steinstufen hinauf. Der Portier schaute aus seinem Verschlag und grüßte kurz das Paar, welches aus dem Monopol-Hotel hierher übergesiedelt war und ihm so oft zu denken gab.
Es war der ehemalige Oberleutnant Borgert und Frau Leimann.
Sie hatten ihre Schritte nach London gelenkt in der Hoffnung, hier vor einer etwaigen Verfolgung sicher zu sein und einen Unterhalt in dieser Millionenstadt zu finden, die so Manchem das tägliche Brot spendete.
Das Geld war schnell zur Neige gegangen, denn wer in guten Tagen nicht zu rechnen versteht, vermag es auch nicht in den Tagen der Not. Und so hatte sich Borgert nach einer Beschäftigung umsehen müssen, um dem Hunger vorzubeugen, wie schwer es auch dem verwöhnten, nur im Nichtstun groß gewordenen Manne wurde, sich zur Arbeit zu zwingen.
Aber in zwei Geschäfthäusern hatte man ihn wieder entlassen, und eben kehrte er von einem letzten erfolglosen Gange zurück.
Mutlos und verzweifelt warf er sich auf das schmale Sopha und bedeckte das Gesicht mit den Händen, während sich Frau Leimann in einen kleinen Stuhl vor dem Kaminfeuer kauerte.
Mit entgeisterten Augen schaute sie in die erlöschende Glut, — es waren die letzten Kohlen, welche ihre Wärme in den dürftigen Raum ergossen.
Beide sprachen kein Wort, und als Borgert endlich das Schweigen brach, fuhr die Frau erschreckt empor, wie aus einem angstvollen Traume.