Also schnell, Ihr Leutnants, hieß es nun, lauft zu einem Juden oder Wucherer und pumpt Euch Geld, denn Ihr habt alle ein paar Hundert Mark stehen, eine ratenweise Zahlung von Eurer Zulage gestattet man Euch nicht, sonst bekommt Ihr einen Klecks in die Konduite und das hängt Euch nach, bis Ihr alte Esel seid. Aus dem Nest hinaus dürft Ihr nun auch nicht mehr, laßt es Euch aber bei Leibe nicht einfallen, jetzt öfter im Kasino zu sitzen, dann bekommt Ihr höhere Rechnungen und werdet doch noch eingesperrt!
Inzwischen versammelten sich im Lesezimmer die Damen des Regiments und zwei Herrn vom Civil, denn jetzt kam der Hauptteil des Abends, die Vorstandswahl für den Tennisklub und die Verabredung der regelmäßigen Spieltage im Kasinogarten.
Frau König war als einzige nicht erschienen, ihr Gatte hatte sie unter einem Vorwand entschuldigt, denn jede Gelegenheit, wo sie mit den Damen des Regiments zusammen kommen konnte, mied sie nach Möglichkeit. Sie fühlte sich nicht heimisch unter ihnen; die inhaltlose, oft schrecklich langweilige Unterhaltung, welche sich meist um höchst gleichgültige Dinge drehte, war ihr ein Greuel, sie paßte auch gar nicht hinein in diese Gesellschaft und war nicht danach geartet, an einem nur auf Äußerlichkeiten und strengen Formen beruhenden Verkehr Gefallen zu finden. Ganz besonders aber war es ihr zuwider, wenn sie sah, wie man eben noch in der liebenswürdigsten Weise mit einander umging, um eine Minute später, wenn irgend einer sich empfohlen hatte, über ihn herzuziehen und kein gutes Haar an ihm zu lassen. Wenn sie nicht offen über alles urteilen und reden durfte — und das hätte ihr übel bekommen mögen — ließ sie es lieber ganz und blieb in ihren vier Pfählen.
Die Verhandlungen im Lesezimmer dauerten lange, jede der Damen hatte einen besonderen Wunsch, auch bedurfte es einer ausführlichen Ermunterungsrede seitens des neugewählten Vorstandes, mehrere noch zögernde Herren zum Beitritt zu bewegen. Daß die meisten von ihnen niemals zum Spiel erscheinen würden, war ja vorauszusehen — jetzt erst recht mochte keiner dem Oberst einen Gefallen tun — aber man hatte doch etwas mehr an Eintrittsgeldern.
Endlich öffneten sich die Flügeltüren zum Speisesaal, wo jetzt ein einfaches Abendessen eingenommen werden sollte. Die kreischende Stimme der Frau Oberst übertönte die Unterhaltung, in den Ecken standen einzelne Gruppen jüngerer und älterer Herren, die neuesten Bestimmungen seitens des Obersten einer scharfen Kritik unterziehend.
Die Rittmeister König und Hagemann scherzten in etwas derber Weise mit Frau Stark herum, Leutnant Pommer aber wich nicht von Frau Kahles Seite.
Nachdem die Tafel aufgehoben war, hatten die meisten Herren den lebhaften Wunsch, endlich diesem langweiligen Zusammensein, zu welchem man sie unter der Maske einer dienstlichen Besprechung herbeigenötigt hatte, entschlüpfen zu können. Da rief Frau Stark in den Saal hinein:
»Wie wäre es, Herr Oberst, wenn wir die Gelegenheit benutzten und ein kleines Tänzchen arrangierten? Es hat doch wohl niemand von den Herrschaften etwas vor? Ich fände es reizend, entzückend!«
Der Oberst besann sich einen Augenblick, dann erklärte er sich sofort mit Freuden bereit, denn ein Wunsch der Frau Stark hieß ein Befehl.
Die Herren waren wütend. So ein Blödsinn, bei der Hitze zu tanzen, es war doch viel vernünftiger, auf der Veranda in Ruhe ein Glas Bier zu trinken! Leutnant Specht aber ärgerte sich besonders, denn er wollte um zehn Uhr sein Verhältnis an der Bahn abholen. Er machte seinem Unmut Lust, indem er sich an Borgert wandte: