»Die alte Schraube ist verrückt mit ihrer Tanzerei, wir wollen sie aber heute bewegen, bis ihr der Schaum auf dem Buckel steht!«

Während der Saal ausgeräumt und zum Tanzen hergerichtet wurde, unternahm man eine kleine Promenade im Garten.

Der Halbmond leuchtete schwach vom Horizont herüber und ließ die Türme und Häuser der Stadt als nebelhafte Silhouetten erscheinen. In dem jungen Grün der Büsche klagte eine Nachtigall ihr Lied in die milde Luft hinein, während vom Saal her das Stimmen der Geigen dazwischen klang. Aus der Stadt tönten einige vom Winde oft jäh unterbrochene Akkorde einer Karoussellorgel durch den stillen Abend, dessen wohlige Ruhe ganz danach angetan war, den Menschen elegisch, träumerisch zu stimmen.

Oberleutnant Borgert gab indes einer Anzahl jüngerer Herren eine Gratisvorstellung auf dem Tennisplatz, indem er treffend Frau Stark nachahmte, wie sie die Bälle schlug und aufhob, und die Herren hielten sich den Bauch vor Lachen, so vorzüglich verstand der Oberleutnant seine improvisierte Rolle. Er beschloß erst sein Spiel, als er ganz drüben am Gartenrand ein weißes Kleid durch das Blattgrün schimmern sah.

Wer war das? So allein? Er mußte hinschleichen und die Ohren spitzen, vielleicht gab es da wieder etwas Interessantes.

Vorsichtig und geräuschlos huschte er über den Rasenteppich und versteckte sich hinter einem Fliederbusch. Wenige Schritte vor ihm stand Leutnant Pommer, welcher seinen Arm um Frau Kahles Taille gelegt hatte und eifrig leise auf sie einsprach. Schade, daß sie so flüsterten, aber verstehen konnte man doch manchmal einen Satz.

»Was macht es denn, Grete! Wenn er dich so behandelt, hast du ein Recht, dich schadlos zu halten. Er ist außerdem viel zu taperig, etwas zu merken! Und wenn du wüßtest, wie lieb, wie unendlich lieb ich dich habe!«

»Wenn du mich wirklich lieb hast, dann will ich nicht nein sagen, ich möchte so gern einmal wieder glücklich sein!«

Da umschlang der dicke Leutnant das kleine Persönchen mit seinen ungelenken Armen und küßte sie stürmisch auf Mund und Augen. Sie aber entwand sich ihm und huschte wie ein Reh über den Rasen dem Kasino zu, aus dessen weit geöffneten Fenstern jetzt der Walzer »Über den Wellen« in die Mainacht hinausklang. Pommer schlich auf der anderen Seite herum dem Hauptportal zu, auf daß man nichts merken sollte. Dann verließ auch Borgert sehr befriedigt seinen ehrenhaften Posten.

Im Saal ging es flott her. Am meisten tanzte Frau Stark, sie flog von einem Arm in den anderen und schwitzte dabei wie ein Soldat im Laufschritt. Besonders Leutnant von Meckelburg wurde immer wieder als Opfer vorgedrängt, er tanzte aber entsetzlich schlecht und konnte nicht in Takt kommen. Wenn die dicke Dame den kleinen Baron mit ihren prallen Armen gegen den gewaltigen Busen drückte, verschwand er fast ganz in den Falten des schwarz und gelben Kleides.