Schließlich konnte sie nicht mehr und ließ sich pustend in einen Sessel fallen, dabei fuhr sie mit dem Rücken der Hand über die Stirn, auf welcher erbsengroße Schweißperlen leuchteten. —
Leutnant Specht vergnügte sich auf seine Weise und tanzte mit vorgedrückten Knien, wie man es in den Amorsälen sieht.
Borgert stand in einer Ecke halb über Frau Leimann gebeugt, welche ermüdet auf einem Stuhle saß und sich Kühlung mit dem Taschentuch fächelte. Der Blick des Oberleutnants ruhte auf der Stelle, wo das Weiß des zarten Busens durch die Stickerei des Halsausschnittes leuchtete, und er sog mit gierigem Behagen den Duft ein, welcher dem jugendlich schönen Körper entströmte.
Im Lesezimmer füllten Ordonnanzen die schon oft geleerten Gläser mit kühler Maibowle, während eine Anzahl Herren um den runden Tisch herum saßen, einen Pfennigskat spielend.
Leutnant Specht benutzte den nächsten Walzer, sich französisch zu empfehlen, es war die höchste Zeit zum Zuge, und, da es zu spät zum Umziehen war, holte er seine Dame in Uniform ab. Sie trug drei kleine Packete mit Eßwaren, welche sie aus ihrer Tasche zur Führung des Haushaltes gekauft hatte.
In der Sophaecke saß gedankenvoll der Leutnant Bleibtreu. Er rauchte bedächtig seine Cigarre und hörte nur mit halbem Ohre den witzelnden Reden der Skatspieler zu. Er war nicht besonders guter Laune, denn es tat ihm leid, daß Frau König, die einzige Dame, mit welcher er sich gut unterhielt, nicht anwesend war; dann schweiften seine Gedanken nach der Heimat, wo jetzt die Wälder in ihrer jungfräulichen Sommerpracht standen und wo er so manche schöne Stunde verbracht hatte in den Armen der Natur und mit Menschen, die ihn liebten.
Wie ganz anders schien es doch hier! Lauter Menschen, denen man innerlich nie recht nahe kam, deren Interesse meist nur äußerlichen Dingen und Vergnügungen oft zweifelhafter Art gewidmet war. Zwar hatte man hier den Dienst, den man liebte, aber er genügte nicht, um einen Menschen zu befriedigen, dessen Lebensbedürfnisse nicht so eng begrenzt waren, wie die der meisten Kameraden. Nun sollte man noch jahrelang in dieser Umgebung leben, dazu fern von allem, was eine Abwechslung bot in dem ewigen Einerlei des Dienstes, unter Menschen, mit denen man im Verkehr nie über die Äußerlichkeiten des guten Tons hinauskam und die stets auf der Lauer lagen, wo sie aus den Schwächen ihres Nächsten Kapital zu schlagen vermochten.
Und das war Kameradschaft, die im deutschen Heere so viel gepriesene Kameradschaft!
Ein Zusammenleben unter gleichen Lebensbedingungen, der Zwang, mit einander leben und auskommen zu müssen, sich gegenseitig mit äußeren guten Formen bedienen und gemeinsam beim Dienst, im Kasino und zu allen möglichen Veranstaltungen zu erscheinen, das war es, was man unter Kameradschaft verstand.
Wo aber blieb das innerliche Sichanschließen, das gegenseitig Ineinanderaufgehen und das Bestreben des einzelnen, seinem Nächsten nur helfend und fördernd, nie aber mißgünstig und übelwollend zu begegnen? In diesem Punkte sank das schöne deutsche Wort zu einer leeren Phrase herab!