Zugleich stieg ein warmes Gefühl der Dankbarkeit in ihm auf gegen den, welcher Zeuge seines Verbrechens gewesen, ihn aber jetzt, statt ihn der Kugel des Betrogenen zu überantworten, großmütig auf seinen Fehler hinwies. Und es war recht gewesen, was er gesagt hatte!

Da erhob sich der Offizier und reichte Borgert stumm die Hand, ihm fest ins Auge blickend. Borgert's Auge aber wich scheu nach der Seite und der Oberleutnant sagte gütig:

»Nun, trösten Sie sich nur! Machen Sie die Sache wieder gut und nehmen Sie sich künftig in Acht!«

»Ich danke Ihnen«, brachte Pommer mit tränenerstickter Stimme hervor. »Ich habe Ihr Wort, daß die Sache unter uns bleibt? Es ist nicht meinetwegen, aber der Dame soll man nichts nachsagen können:«

»Sie haben mein Wort, ich schweige!«

Und als er jetzt dem Oberleutnant mit dankerfüllten Blicken nachschaute, während er ihn verließ, glaubte er, über die Schwelle schritte ein Freund, dem er sein Leben danken müsse! —

Der großmütige Held war recht befriedigt von seiner Mission. Das war so ganz ein Fall nach seinem Geschmack! Zu riskieren gab es nichts dabei, im Gegenteil, er spielte die Rolle eines guten, rettenden Engels, der den Fehlern des Nächsten Verzeihung bot und ihn liebevoll auf den verlassenen Pfad der Tugend zurückgeleitete. Außerdem war es ja ein ganz amüsantes Schauspiel, einen Kameraden, der sonst als ganzer Mann dastand und den nichts rühren konnte, jetzt zu seinen Füßen zu sehen. Auch schien ihm ein glücklicher Gewinn, daß er Pommers Einfluß auf das gesamte jüngere Offizierkorps nun in seine Hand bekommen und sich dienstbar machen konnte. Schließlich fehlte auch das Pikante an der Sache nicht, denn er würde natürlich auch Frau Kahle demütigen und sie fragen, in welcher Weise die Sache ihre Erledigung gefunden habe. Wie freute er sich darauf, wenn die kleine Frau weinend vor ihm niedersank und ihn um Schweigen bat!

Ein Liedchen trällernd, betrat Borgert sein Haus, gab dem Burschen Säbel, Mantel und Helm und stieg die Treppe zu Leimanns hinaus.

Er traf sie nicht allein. Der Regimentsadjutant war anwesend, er hatte heute schon um ½12 das Geschäftszimmer verlassen, weil der Oberst sich auf Jagd befand. Frau Leimann trat auch herein, und, da die beiden Herren gerade plaudernd zum Fenster hinaus auf die Straße sahen, wo Frau König mit Leutnant Bleibtreu vorbei ritt, küßte er der Angebeteten stürmisch beide Hände.