Die Herrschaften aber wollten sich vor Lachen ausschütten, als Borgert in der ihm eigenen witzigen Weise mit furchtbar drolligen Gesten und trefflichem Mienenspiel seine neuesten Erlebnisse zum Besten gab.
Inzwischen saß Pommer am Schreibtisch und machte in einem langen Briefe an seine Mutter dem gepreßten Herzen Luft. Dabei sang er dem neuen Freunde wahre Loblieder und rühmte seine vornehme Gesinnung in überschwänglicher Weise.
Er war jetzt ruhiger geworden, die Vorgänge des verhängnisvollen Abends erschienen ihm zwar immer noch in demselben Lichte, aber mehr vom Standpunkte eines Menschen betrachtet, der, im Innersten überzeugt, eine verwerfliche Tat begangen zu haben, sich sagen kann, daß nur durch einen unglücklichen Zufall, nicht aber aus verderbter Gesinnung oder Schlechtigkeit jener Fehltritt geschah.
Um die Mittagsstunde kleidete er sich fertig an, um Frau Kahle aufzusuchen, denn um diese Zeit pflegte der Gatte nicht zu Hause zu sein. Vielleicht wäre es ihm gleich gewesen, was ein Fremder mit seiner Frau zu verhandeln hatte, aber man konnte nicht wissen, es war besser so.
Klopfenden Herzens, mit dem Gefühl einer tiefen Reue und Beschämung, schritt er die teppichbelegten Stufen zu Frau Kahle's Räumen empor, und er hatte auch nicht lange zu warten, bis man ihn einließ.
Mit einem leichten Aufschrei eilte die Dame auf ihn zu, umschlang seinen Hals und küßte dem Widerstrebenden stürmisch den Mund.
»Wie danke ich dir, daß du kommst! Wie habe ich mich nach dir gesehnt! Jetzt bin ich wieder glücklich, da du bei mir bist. Mein Mann ist bis zum Abend fort, bleibe bei mir, Hans, ich kann nicht ohne dich sein!«
Bei diesen Worten hatte sie ihn neben sich auf den Divan gezogen und schloß ihm den Mund mit stürmischen Küssen.
»Die ganze Nacht habe ich ruhelos verbracht,« fuhr sie süß flüsternd fort, »ich konnte mein Glück nicht fassen, ich glaubte, es sei ein Traum, daß ich in dir ein Wesen gefunden habe, das ich lieben darf, das mich liebt. O, wie danke ich dir, du einzig Geliebter!«
Leutnant Pommer saß da wie versteinert. Er brachte kein Wort hervor und duldete schweigend die Liebkosungen der Frau. —