Wo waren seine Vorsätze geblieben, wozu war er hierher gekommen? Um sein Unrecht wieder gut zu machen, um seiner Reue Worte zu verleihen, um zu beichten, daß alles nur die Eingebung eines unseligen Augenblicks, die Tat eines vom Rausch verwirrten und entfesselten Gefühls gewesen sei!

Aber er konnte sich jetzt nicht anklagen, konnte nicht mit einem banalen Wort den Traum zerstören, welcher die liebende Frau umfing. Und was er vorher für eine Ehrenpflicht gehalten, erschien ihm jetzt unmöglich angesichts der lodernden Glut, die er im Herzen des Weibes entfacht. Lieber sterben, als jetzt eingestehen müssen, es ist alles nur Lüge, Schein, Laune gewesen. Dieser glühenden Liebe durfte er nicht mit einem Faustschlag antworten!

Und als der Kopf der ganz den Gefühlen ihres Glückes hingegebenen Frau an seinem Busen ruhte, in welchem das Herz zum Zerspringen klopfte, ging eine Wandlung in ihm vor: aus dem sonst so willensstarken Manne ward ein willenloses Opfer einer gewaltigen Macht: der Liebe. —

Sein Blick streifte an der Gestalt des Weibes herunter, die ihn in ihren Armen hielt. Das leichte Morgenkleid ließ die Formen eines jugendlichen Körpers erkennen, die weißen Arme, von denen die Spitzen des Ärmels herabgeglitten waren, und der Duft, welcher von ihnen ausströmte, alles verwirrte und betäubte ihm den Sinn und ließ den letzten Rest Entschlossenheit in dem sonst so zielbewußten Manne ersterben. Und er umschlang das zitternde Weib mit wilder, sinnlicher Glut. — — —

Der Tag neigte sich schon seinem Ende zu, als Pommer die Tür des Hauses hinter sich schloß, in dem Frau Kahle wohnte.

Mit scheuem Blick, wie verstört, schritt er über die Straße und achtete nicht der Soldaten, die des Weges kommend, ihm die schuldige Ehrenbezeugung erwiesen, er wäre auch an Oberleutnant Borgert vorbeigegangen, hätte ihn dieser nicht mit einem über die Straße gerufenen Gruß aus seinen Gedanken aufgeschreckt. Zögernd blieb er stehen und schaute wie geistesabwesend nach dem Kameraden, der jetzt über den Straßendamm auf ihn zukam.

»Guten Tag, lieber Pommer! Nun, was macht Ihr Kater?«

»Danke, danke, es ist gut, ich fühle mich ganz wohl, sehr wohl, und was ich noch sagen wollte,.... ich bin dort gewesen!«