»Scher' dich weg, Ihr braucht nicht gleich Kohlen, wenn es ein paar Tropfen regnet. Legt Euch ins Bett, wenn Ihr friert, Schweinepack, gemeines!«
Der Gefreite stand zögernd einen Augenblick still, dann ging er mit wütendem Gesicht in die Kaserne.
Im Stall war es schon leer geworden, die Leute befanden sich bereits wieder in ihren Stuben, nachdem sie die Streu aufgeschüttelt und die Pferde getränkt hatten. Nur die Stallwache war noch anwesend.
Der eine von ihnen, ein Gefreiter, hatte sich im Civil einen so dicken Bauch gezüchtet, daß der Quartiermeister beim besten Willen keinen auch nur leidlich passenden Rock für den »vollgefressenen Reservehund« finden konnte, der Ärmste mußte also seine Übung im Drillichanzug als Stallwache ableisten. Der zweite war lungenkrank. Man merkte es erst eine Woche nach dem Eintritt und nun hatte es keinen Zweck mehr, den Mann noch zu entlassen, im Stall hatte er ja nichts auszustehen. Der dritte war ein halber Idiot aus der Polackei, grinste wie ein Irrsinniger stets vor sich hin und war im Dienst nicht zu gebrauchen, da er alle Vorgesetzten mit »du« anredete und stets zum Honneur die Mütze abnahm.
Der Futtermeister erschrack, als er merkte, daß die Futterzeit schon überschritten war, denn für seine Pflegebefohlenen sorgte er gut, das mußte ihm der Neid lassen. So rief er denn schnell die Stallwache heran und trieb sie mit einem: »Galopp, faules Zeug!« zur Eile an. Der kleine Futterwagen wurde mit Hafer und Hecksel gefüllt und auf die Stallgasse gefahren. Das Quietschen der Holzräder war den Pferden die liebste Musik am Tage. Als sie es vernahmen, kam Leben in die erst träge, mit hängenden Köpfen dastehenden Tiere, denn sie hatten schon gedacht, man habe ihre Abendmahlzeit vergessen. Jetzt sprangen sie wild in den Ständen herum, neckten und bissen einander, schlugen übermütig aus, und das Rasseln der Ketten mischte sich mit dem Wiehern und Quiecken der Pferde zu einem lauten Geräusch. Der »Napoleon« hatte solchen Hunger, daß er angesichts der Futterschwinge dem dicken Gefreiten aus übermütiger Freude vor den Bauch schlug, sodaß dieser den Hafer fallen ließ und mit schmerzverzerrtem Gesicht beide Hände auf die getroffene Stelle preßte.
Der Vizewachtmeister sah das und rief ihm zu:
»Vorwärts, heb' den Dreck wieder auf, deinem dicken Wanst schadet so ein Puff nichts!«
Der Gefreite aber machte keine Miene, dem Befehl nachzukommen, sondern hielt noch immer seinen Bauch fest, während ihm Tränen in die Augen traten. Da wankte Roth auf ihn zu, knuffte ihn mit der Faust in den Rücken und drückte ihn, seinen Hals von hinten umfassend, so tief nieder, daß dem armen Kerl das Blut zu Kopfe stieg, während er den verschütteten Hafer zwischen der Streu heraussuchte. Als er damit fertig war, gab ihm Roth noch einen Schubs, daß er gegen »Napoleons« Hinterbeine flog und diese in seiner Angst umklammerte, um nicht unter das Pferd zu fallen.
Das ging aber »Napoleon« über den Spaß. Erst kein Futter und dann noch solche Scherze! Er keilte mit beiden Beinen kräftig aus und schleuderte den armen Gefreiten auf die Stallgasse, wo er bewußtlos liegen blieb.