Die Störung zu mitternächtlicher Stunde paßte dem bequemen Müller gar nicht und er schimpfte vor sich hin, als er die Allee zur Kaserne entlang schritt. Auch pflegte er in angeheitertem Zustand meist schlechte Laune zu haben, war händelsüchtig und brach gerne einen Streit vom Zaune, in dessen Verlauf er in unschöner Weise auf seine Sonderstellung als Adjutant und seine dabei gewonnene Diensterfahrung hinwies. Die Kameraden nannten es Größenwahn.
Durch die schneeerfüllte Luft sah man nur vor dem hellen Fenster der Wachtstube die dicken Flocken in wildem Spiele tanzen, drinnen aber schlief der Wachthabende und neben ihm zwei Gemeine.
Der Offizier vom Dienst war schon dagewesen und so hatte man es sich bequem gemacht, der Vorschrift entgegen Säbel und Helm abgelegt, den Rock geöffnet und eine warme Decke aus der Kaserne herbeigeholt.
Auf Posten stand der Gemeine Röse. Er hatte in dem Schilderhaus Schutz vor dem Unwetter gesucht und stand, den Säbel in der kalten Faust, an der Rückwand des schwarz und weiß gestrichenen Häuschens. Warum sollte er das nicht? Es war ja ausdrücklich gestattet!
Seine Gedanken weilten in der Ferne bei den Eltern und Geschwistern, die er in zwei Tagen zum ersten Male seit langer Trennung wieder sehen sollte. Wie freute er sich auf diese Stunde, da er nun als schmucker Kavallerist die Lieben daheim begrüßen, alte Freunde und im Stall den »Hans«, das brave Pferd, die blanken Kühe und die fetten Schweine wiedersehen durfte!
Aus seinen Gedanken schreckte ihn plötzlich ein lauter Ruf:
»Posten!«
Röse blinzelte durch die runde Luke an der Seitenwand des Schilderhauses, konnte aber niemand entdecken. Erst auf einen nochmaligen, laut durch die Winternacht hallenden Ruf trat er heraus und erkannte in dem undurchsichtigen Schneetreiben eine Gestalt, welche auf ihn zukam.
»Warum präsentieren Sie nicht, Sie Schwein!« brüllte der Regimentsadjutant.