»Verzeihen Herr Leutnant, ich habe Herrn Leutnant nicht gesehen.«

»Halt' die Schnauze, verlogenes Aas, geschlafen hast du im Schilderhaus, eine Ewigkeit stehe ich hier und warte. Aber ich werde dir zeigen, du Bauer, was du zu tun hast!«

Damit schritt er vorbei und ließ Röse in starrem Schrecken stehen. Aus dem Regimentsgeschäftszimmer schrieb er folgende Meldung:

»Den von 12 bis 2 stehenden Posten fand ich bei einer Revision schlafend im Schilderhause vor. Derselbe trat erst nach zweimaligem Anruf heraus. Etwaige Einwendungen des Mannes, mich nicht gesehen zu haben, muß ich von vornherein als Unwahrheit bezeichnen, da ich genau bemerkt habe, daß er geschlafen hat.«

Die Meldung legte er auf den Arbeitstisch des Kommandeurs. Dann holte er den Schreiber aus dem Bett, verhandelte mit dem im Hemd auf dem kalten Korridor vor ihm stehenden Manne fast zehn Minuten und schritt dann seiner Wohnung zu. Er hatte jetzt sein Mütchen gekühlt und konnte ruhig schlafen. — —

Am Nachmittag des 22. Dezember kehrte Sergeant Schmitz aus dem Gefängnis zurück.

Die früher so stolze, stramme Haltung hatte er verloren, sein Gesicht war bleich und der sonst so keck in die Höhe gewirbelte schwarze Schnurrbart hing strähnig um die Mundwinkel. Scheu sah er die ihm Begegnenden an, und wenn ein Soldat ihn grüßte, hielt er es für eine besondere Freundlichkeit, die ihm nicht zukomme, da er glaubte, in aller Augen zu lesen:

»Seht, das ist ein Bestrafter, ein Verbrecher!«

Als er sich beim Schwadronchef zurückmeldete, reichte ihm dieser die Hand.