»Tut mir leid, mein lieber Schmitz, daß ich Sie verlieren muß, Sie waren mir stets ein Untergebener, auf den ich stolz war und der seinen Dienst wie kein zweiter getan hat. Aber der Oberst hat befohlen, daß ich die Kapitulation mit Ihnen aufhebe und Sie sofort entlasse. Der Wachtmeister wird mit Ihnen das Nötige ordnen. Trösten Sie sich mit dem Gedanken, daß Sie das Opfer einer gemeinen Gesinnung geworden sind, und so wünsche ich Ihnen alles Gute; wenn Sie mich brauchen können, bin ich stets mit Freuden bereit. Leben Sie wohl!«
Schmitz unterdrückte mit großer Mühe das Weinen, der Rittmeister aber ging dem Stall zu. Es ging ihm wirklich nahe, dieser nette, stramme Kerl, eine Stütze der Schwadron, um nichts und wieder nichts ins Unglück gestürzt und auf die Straße gesetzt! Es war eine Schweinerei!
So ging denn Schmitz zum Wachtmeister, der ihm seine Papiere und fünfzig Mark auf sein Sparkassenbuch übergab. Auch er drückte ihm bewegt die Hand.
»Haben Sie noch Invalidenansprüche, Schmitz?« fragte er darauf.
»Ich habe Rheumatismus seit dem Manöver, wo wir wegen Seuchenverdacht der Pferde drei Wochen biwakieren mußten!«
»Das haben Sie aber damals nicht gemeldet, und es ist schon fast 1½ Jahre her.«
»Gemeldet habe ich es nicht, weil ich mich nicht krank schreiben lassen wollte, ich mochte den Rittmeister mit den heruntergekommenen Pferden nicht sitzen lassen.«
»Ich werde beim Regiment sofort Meldung machen, Sie können ja einstweilen Ihre Sachen abgeben!«
So stieg denn Schmitz zu seiner Stube hinauf, packte die Montierungsstücke zusammen und schnürte seine paar Habseligkeiten in einen kleinen Koffer. Ehe er aber seine Uniform auszog, ging er in die Stadt und kaufte für 45 Mark einen Zivilanzug, einen Kragen und einen Hut. Schuhe besaß er noch.
Dann brachte er alle Uniformstücke dem Quartiermeister auf die Kammer, dem er auch seinen Extrarock, eine eigene Mütze und eine lange Hose für dreißig Mark verkaufte. Den Säbel wollte er als Erinnerung aufheben.