Jetzt kam das Schwerste, der Abschied von den Kameraden und den Pferden. Jeder hatte ein freundliches Wort für ihn, und mancher stumme Händedruck gab den schmerzlichen Gefühlen Ausdruck, mit denen man den lieben Kameraden scheiden sah. Selbst die Mannschaften drängten sich heran, um von ihm Abschied zu nehmen, er hatte sie zwar manchmal tüchtig vorgenommen, aber sie kannten ihn als einen anständigen Kerl, der sie nicht im Stiche ließ, wenn es darauf ankam.

Als der Mittagsstalldienst zu Ende war, ging Schmitz in den Stall. Kein Gang war ihm im Leben so schwer geworden, wie dieser, und als er die geliebten Tiere aus den eben gefüllten Krippen zu sich aufblicken sah, sobald sie seine Stimme hörten, da hätte er laut aufschreien mögen vor Weh und Schmerz.

Für »Klärchen« hatte er ein Stück Zucker mitgebracht und sowie er zu ihm in den Stand trat, suchte es gleich nach dem gewohnten Leckerbissen und bat mit gehobenem Fuß um einen zweiten. Er legte seinen Kopf an den sammetweichen Hals des Tieres, strich ihm kosend über die schönen Augen und die weichen Nüstern und küßte das Tier auf den Hals. Als er es verließ, glaubte er in dem traurigen Blick und den leisen Wiehern einen Abschiedsgruß zu empfinden. Auch von der alten »Marie« nahm er Abschied. Wie lange mochte sie wohl noch den Dienst aushalten? Zuletzt ging er zu »Napoleon«, dem Schmerzenskinde, aber auch er zeigte heute keine Spur der gewohnten Bösartigkeit, sondern sah den fremden Mann in Zivil mit fragenden Augen an.

Noch einen letzten Blick warf er auf seine Lieblinge, dann ging er mit unterdrücktem Schluchzen wieder der Stube zu, um seinen Koffer zu holen.

Im Eingang trat ihm der Wachtmeister entgegen.

»Mit Ihren Invalidenansprüchen ist es nichts, Schmitz, der Oberst hat gesagt, Sie hätten es gleich melden müssen, jetzt könnte jeder kommen. Dann hat er mir noch die Rechnung Ihres Rechtsanwaltes übergeben, der das Regiment um Eintreibung der Schuld ersucht hat. Es sind sechzig Mark, wenn Sie nicht zahlen können, soll eine Pfändung vorgenommen werden.«

Daran hatte Schmitz gar nicht mehr gedacht.

»In einer Stunde ist das Geld zur Stelle, Herr Wachtmeister!« sagte er nach kurzem Bedenken.

Darauf ging er der Stadt zu und trat bei einem Uhrmacher ein, legte seine silberne Uhr mit Kette auf den Ladentisch und fragte mit fester Stimme:

»Was geben Sie mir dafür? Ich brauche Geld!«