Der Abend des 24. Dezember war gekommen. Alle Welt, Tausende, Millionen waren heute glücklich, fühlten den Zauber, den das schönste aller Christenfeste selbst auf das härteste Gemüt ausübt, weil es heilige Erinnerungen in uns weckt. Es ist das hohe Fest der Liebe Gottes zum Menschen, der Liebe des Christen zum Nächsten. Und keiner ist es, den nicht der feierliche Klang der Weihnachtsglocken in eine weiche Rührung, eine stille Andacht versetzt: der mächtige König im Palast und der Arme in seiner Hütte, selbst der Verbrecher hinter der Kerkermauer, alle öffnen ihr Herz den Strahlen der Liebe, die es an diesem Abend durchleuchten.

Friedrich Röse saß in der schlecht erwärmten Arrestzelle, in welcher er die 14tägige Strafe wegen Wachtvergehens verbüßte.

Durch den mit Eisblumen bedeckten kleinen Lichtschacht sah er hinauf nach dem Fenster im ersten Stock der 3. Eskadron, wo ein Weihnachtsbaum im Lichterglanz erstrahlte. Schwermütig ernst ertönten die Klänge jenes ewig schönen Weihnachtsliedes, dessen Musik gerade in ihrer Eintönigkeit ergreifend wirkt. Fröstelnd saß er auf dem Rand der harten Holzpritsche, und eine Träne rollte über die Wangen hinab auf das Steinpflaster des Fußbodens. Wieder weilten die Gedanken daheim, aber nicht freudig, erwartungsvoll, sondern Verstimmung, Schmerz und Sehnsucht lagen in den Zügen des jungen Mannes.

Mit welcher Freude, welchem Eifer hatte er sich zum Militär gemeldet! Schon sein Vater, einst Wachtmeister der Gardekürassiere, schilderte das herrliche Soldatenleben in den schönsten Farben und hatte keinen größeren Wunsch, als seinen Jungen einmal als flotten Unteroffizier wiederzusehen.

Aber das gab es jetzt nicht mehr, er war bestraft mit strengem Arrest, gebrandmarkt für seine ganze Dienstzeit.

Die freudige Lust am Soldatenstande hatte sich mit einem Male in Haß und Ingrimm verwandelt gegen den bunten Rock, gegen alles, was Soldat sein bedeutete, mit einem Schlage war aus dem diensteifrigen, strebsamen Rekruten einer von den vielen geworden, die nur Soldat sind, weil sie es müssen und die den Tag der Entlassung als den ihrer Freiheit ersehnen.

Und warum war das alles?

Nicht weil er wissentlich seine Pflicht verletzt hatte, sondern weil es einem jener Herren Offiziere einfiel, die Laune seiner Trunkenheit an dem ersten besten Opfer auszulassen, das ihm in die Hände fiel. Und was der Herr in seiner Meldung behauptete, stand als bombenfeste Tatsache da, wer daran zweifelte, beging ein neues Vergehen, die Achtungsverletzung.