Röse hatte auf die bezügliche Frage seines Rittmeisters den Vorgang geschildert und seine Unschuld hoch und heilig beteuert, aber der Adjutant hatte hierauf erwidert, der Mann wolle sich jetzt herauslügen. Was er gemeldet habe, sei Tatsache.
Oder sollte er zugestehen: Ich habe dir Unrecht getan, habe mich geirrt, denn ich war betrunken und übler Laune? Fiel ihm gar nicht ein, er konnte sich diese Blöße nicht geben. Wie durfte er, der unnahbare, nie fehlende Regimentsadjutant eingestehen, sich geirrt zu haben? Er irrte sich eben nie, und was schadete es groß dem Kerl, wenn er die paar Tage brummte?
Was es schadete?
Daß es einen Apostel mehr gab, der verkündete, er sei als Soldat ein gepeinigter, in ein beschwerliches Joch gezwungener Mensch, der Spielball seiner Vorgesetzten gewesen, die ihre Laune an ihm ausließen, wie es ihnen behagte, daß unverdiente Härte und Ungerechtigkeit, gegen die es keine genügende Waffe gab, da zu finden gewesen seien, wo indviduelle Behandlung, Rücksicht und einsichtsvolle Überlegung am Platze wären.
Und was es weiter schadete?
Daß Jedermann, dem Röse in späteren Jahren seine Papiere vorlegte, die Achseln zuckte und dachte: »Du scheinst mir auch kein zuverlässiger Bruder zu sein, 14 Tage wegen Wachtvergehens, das ist übel!« — — — —
Gegen neun Uhr schreckte Röse ein Geräusch an der Tür aus seinen Gedanken. Ein Schlüsselbund klapperte, das Schloß schnappte und herein trat der Offizier vom Dienst, hinter welchem der Wachthabende stand.
Röse sprang auf, nahm eine militärische Haltung ein und meldete:
»Gemeiner Röse mit 14 Tagen wegen Wachtvergehens bestraft!«
Der Offizier schaute einen Augenblick in das Innere der dunkelen Zelle, ob er nicht etwa einen verbotenen Gegenstand außer der Schlafdecke und dem Wasserkrug entdeckte, dann wandte er sich zum Gehen. Da sagte Röse zögernd: