»Gestatten der Herr Leutnant eine Bitte?«
»Wenden Sie sich an den Wachthabenden, wenn Sie etwas wollen«, entgegnete der Offizier kurz und tappte die Steintreppe hinunter, vorsichtig um sich schauend, daß er sich den grauen Mantel an dem staubigen Treppenhaus nicht beschmutze.
Der Wachthabende begleitete ihn bis zum Ausgang und kehrte dann zu Röse zurück.
»Was wolltest du denn?« fragte er wohlwollend.
»Ich wollte bitten, wenn ein Brief für mich da wär, daß ich ihn jetzt bekommen kann, Herr Unteroffizier!« antwortete Röse schüchtern.
»Ja, mein Junge,« lachte der Unteroffizier gutmütig, »das geht eigentlich nicht — erst absitzen, dann's Vergnügen.« Wie er aber Röse, der von seiner Schwadron war und den er gut leiden mochte, mit dem trübseligen Gesichte vor sich stehen sah, tat ihm der arme Junge leid. Es war doch eine harte Sache, hier den heiligen Abend verleben zu müssen und obendrein wegen einer solchen Lappalie, und schließlich sogar unschuldig. Er sagte daher freundlich zu Röse:
»Na ja, ich werde mal nachfragen lassen.«
Er verschloß die Zelle wieder und schickte einen Mann zu Röse's Berittführer mit der Bitte, doch einmal zu ihm zu kommen. Und als dieser herbeigekommen war, fragte der Wachthabende den Berittführer: